Interview mit der Designerin Karin Jordan:
Im September 2010 hat die Modedesignerin ihr neues Atelier in der
Anklamer Strasse in Berlin-Mitte eingeweiht, wo ihre individuelle und
unkomplizierte Business-Linie entsteht und verkauft
wird. modekultur.info hat Karin Jordan besucht. Im Interview
schildert die Designerin ihre Philosophie und gewährt uns spannende
Einblicke in ihre Arbeit.
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modekultur.info:
Ihr Label gibt es nunmehr seit über 15 Jahren.
Wie würden Sie Ihre Modelinie bezeichnen?
Karin
Jordan:
Meine
Mode zeichnet eine sehr klare Linie aus, die aber gleichzeitig
feinsinnig und zeitlos ist. Mein Kernthema ist es, Frauen für den
Beruf einzukleiden. Der Unterschied meiner Entwürfe zur herkömmlichen
Business-Kleidung ist, dass ich den Fokus auf Individualität lege.
Für mich ist es wichtig, dass die Frau nicht ihren Mann, sondern
ihre Frau steht und ihr eigenes Potenzial wahrnehmen kann. Ich lege
sehr viel Wert auf eine sehr intensive Zusammenarbeit mit meinen
Kundinnen, gerade auch in der Beratung. Es ist sozusagen ein
Wechselspiel zwischen geben und nehmen. Ich höre ganz genau zu,
nehme dabei Körpersprache und Sprache wahr und versuche alles in
Einklang zur Kleidung zu bringen. Sehr wichtig dabei ist, dass die
Frauen in meinen Entwürfen ihre Authentizität wahren können.
modekultur.info:
In Ihrer neuen Kollektion verwenden Sie einen innovativen
Krepp-Stoff. Was ist das Besondere an diesem Material?
Karin
Jordan:
Ich
kleide zwar schwerpunktmäßig Frauen im Business ein, die sehr
mobil und viel unterwegs sind, aber im Grunde hat eine Frau
heutzutage täglich vielfache Anforderungen zu bewältigen: sie ist
morgens noch als Mutter und Ehefrau gefragt, startet dann in den
Beruf, wo sie nicht selten zwischen vielen Situationen wechseln
muss, trifft sich direkt nach Feierabend mit Freunden oder ist zu
einem Empfang eingeladen. Das heißt, dass Kleidung wandelbar und
koffertauglich sein muss. Die Mode soll vielen Anforderungen gerecht
werden und dabei die Trägerin einfühlsam begleiten. Und Krepp ist
so ein Material, das von Hause aus einen wunderbaren schweren Fall
hat, dadurch immer sehr edel wirkt und man einfach gut angezogen
aussieht. Es knittert nicht und ist auch waschbar. Man kann die
Kleidung also klein in den Koffer rollen, abends wieder herausholen
und ohne Aufbügeln zum Empfang gehen. Auf der anderen Seite kann
man es aber auch selbst schnell mal durchwaschen, aufhängen und am
nächsten Morgen gleich wieder anziehen. Es ist von der
Alltagstauglichkeit bis hin zum repräsentativen Anlass
sehr multifunktional. Was noch hinzu kommt ist das Thema
Allergien. Viele Frauen reagieren empfindlich auf Schurwolle, wollen
aber den Ausdruck und die Qualität dieses Materials. Also habe ich
aus einer Mischung aus Viskose, Polyester und Elasthan die Haptik
von Schurwolle ausgewählt, ohne dass Schurwolle enthalten ist und
kann dadurch all die Frauen mitnehmen, die mit allergischen
Problemen zu tun haben.
modekultur.info:
Wir bleiben beim Material: Sie hatten ja schon welche genannt.
Welche Materialien finden darüber hinaus Verwendung in Ihren
Kollektionen?
Karin Jordan:
Also ich habe natürlich auch den Klassiker, das sind die
superfeinen Kammgarne, das sind Fischgrät-Strukturen, die ganz
beliebt sind und es sind immer hochwertige Schurwollen oder
Schurwollmischungen in dem Kaschmir oder Seide enthalten ist.
Beliebt sind auch Beimischungen von Elasthan, um einen hohen
Tragekomfort zu erreichen. Die Kleidung soll sich anfühlen wie
Wellness- oder Sportbekleidung, aber sie muss gleichzeitig
businesstauglich sein. Man darf nicht das Gefühl haben, sie
ausziehen zu wollen, sobald man nach Hause kommt.
modekultur.info:
Von den Materialien zu den Farben: gibt es spezielle Farbtöne, die
in Ihrer Mode immer wieder auftauchen?
Karin Jordan:
Für mich gehört ein schwarzes Kleid oder ein schwarzer Anzug zur
Grundausstattung und darüber hinaus verwende ich im Wesentlichen
gedeckte Töne. Meine Erfahrung ist, dass die Frauen hier in Europa
sehr gut in Kalt/Warm-Kontrasten gekleidet sind. Das heißt, ich
achte immer darauf, dass in jeder Kollektion sowohl eine warme
Farbpalette, als auch eine kühle vorhanden ist und man in die eine
oder andere Richtung oder auch in der Mischung einen Spannungsbogen
herstellen kann. Von Grün über Blau, Braun, Bordeaux und
Kamelfarben sind viele Töne vertreten
modekultur.info:
Entwerfen Sie ihre Kreationen klassisch in 2 Kollektionen pro Jahr,
also für Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter – oder arbeiten Sie
saisonal unabhängig?
Karin Jordan:
Ich
entwickle nicht zwei Kollektionen im Jahr, sondern habe vor 15
Jahren angefangen die Jordan-Kollektion zu kreieren. Fortlaufend
kommen neue Modelle hinzu, alte Modelle werden dem Zeitgefühl
entsprechend modifiziert und bleiben somit der Kollektion erhalten.
Diese Art von Beständigkeit ist ein großer Wert, da viele meiner
Kundinnen Lieblingsmodelle haben und diese seit 15 Jahren auch immer
wieder nachkaufen.
modekultur.info:
Ein großes Thema für viele Frauen ist die Frage nach den Kleidergrößen:
welche Konfektionsgrößen bedienen Sie, bzw. gibt es Sonderwünsche,
die erfüllt werden?
Karin
Jordan:
Es gibt eine kleine Serie, bestehend aus Hosen, Jacken, Röcke,
Kleider, Shirts und Pullover. Diese biete ich in den Größen 36 bis
42 an und alle Modelle sind ständig auf Lager. Man kann also direkt
etwas von der Stange kaufen, wobei wir natürlich auch Änderungen
vornehmen können
Darüber hinaus biete ich Maßanfertigungen an. Wir erstellen
individuelle Schnitte für unsere Kundinnen, die dann bei uns
archiviert werden. Dadurch können wir jederzeit darauf zurückgreifen.
Eine große Anzahl unserer Kundinnen lebt nicht in Berlin. Wir können
auf Basis intensiver Beratung und genauem Maßnehmen die Modelle
nach der Fertigung bundes- und weltweit verschicken.
modekultur.info:
Sie hatten vorhin schon die Businessfrau angesprochen. Gibt es den
klassischen „Typ Frau“, der Mode von Karin Jordan kauft?
Karin
Jordan:
Optisch
gibt es keinen klassischen Typ Frau. Es ist vielleicht eher die Persönlichkeit,
die eine Richtung hat. Unsere Kundin ist die Art Frau die sehr klar
weiß, was sie will und was sie nicht will. Welche die Individualität
auch tatsächlich lebt und zu uns kommt um gut beraten zu werden und
es als einen Mehrwert betrachtet in den Prozess mit einzutauchen.

modekultur.info:
Wo werden Ihre Kollektionen angeboten? Ausschließlich hier bei
Ihnen im Atelier in Berlin- Mitte oder auch darüber hinaus in
anderen Stores und Boutiquen?
Karin
Jordan:
Ursprünglich wurden meine Kollektionen in verschiedenen Geschäften
vertrieben, aber inzwischen habe ich die ganz bewusste Entscheidung
getroffen, nur noch über mein Atelier zu verkaufen. Und das
bedeutet genau den Luxus, den ich gerade schon formuliert habe, dass
nämlich jede Kundin direkt von mir beraten wird, was mir ein
Herzensanliegen ist. Ich empfinde den Beratungsaspekt als sehr
wesentlich, wobei die Beratung bei mir durchaus mit einer
Kleiderschrankberatung anfangen kann. Und auch dabei ist mein Credo
`Weniger ist mehr.´
modekultur.info:
Karin
Jordan, vielen Dank
für die spannenden Eindrücke. Viel Erfolg für die Zukunft!

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Die Adresse:
Atelier Karin Jordan
Anklamer Str. 38, Hof 1 EG
10115 Berlin-Mitte
Fon: (030) 2815043
Im Netz: www.karinjordan.de
>>zum Google-Stadtplanausschnitt
>>Kleiderschrankberatung mit Karin Jordan
Weitere Informationen zum Modelabel von Karin Jordan finden Sie unter: www.karinjordan.de
Interview: Jörg Buntenbach
Produktfotos: Dagmar Morath
Modefotos: Nicole Woischwill
Podcast:
Musiktitel: "Dew" (Lizenzgeber: Kenneth Cambridge)
FlashPlayer Podcast: FX
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Produktion: © modekultur.info
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Ausgabe November 2010 (Update: September 2011)






