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„Ich sehe die Frau behaart“ - Patrick Mohr bricht die Mode
Dass es keine gewöhnliche Show werden würde, hätte man sich spätestens
nach der Lumpenshow 2009 denken können, als der Münchner Patrick
Mohr Obdachlose statt Models über den Runway schickte. Durch das
immense Medieninteresse nach diesem Tabubruch, war auch diesmal die
Show sehr gut besucht und schon im Vorfeld ein kleiner Hype um die
Veranstaltung betrieben worden. Was hatte sich der Mohr da schon
wieder ausgedacht? Niemand wollte dieses Highlight verpassen und so
fanden sich schon frühzeitig vor der Show lange Schlangen vor dem
Einlass ein.
Man musste ehrlich zugeben, trotz aller gedanklicher Vorbereitung
auf etwaige Schreckensszenarien auf der Bühne, blieb einem beim
Anblick der Models dennoch die Luft weg. Wie Aliens zurechtgemacht,
Haare unter einer Folie versteckt und mit bauschigen Bärten liefen
die Models über den Catwalk. Darunter das afro-amerikanische
Albinomodel Shaun Ross. Erschreckend und faszinierend zu
gleich, unheimlich androgyn und irgendwie abstoßend. Patrick Mohr
gelang es, das Geschlecht der Models zu verschleiern. Das „Enfant
terrible“ der deutschen Modeszene hat wieder einmal für Aufsehen
gesorgt, und man wäre wohl auch enttäuscht gewesen, wenn er sich
keine Mühe gegeben hätte, sich neue Schocker zu überlegen.
Trotz oder gerade wegen aller Faszination rund um die Präsentation
vergaß der Zuschauer fast, sich auch mal auf die Bekleidung zu
konzentrieren. Die Farben Rot, Schwarz, Beige und Weiß zogen sich
durch die gesamte Kollektion. Auch diesmal wendete sich der Designer
wieder geometrischen Formen wie Drei- und Vierecken (sowohl
als Druck, als auch im Schnitt) zu, die Sachen wirkten auf eine sehr
abstrakte Weise urban. Oversized geschnitten verschleierten die Entwürfe
den menschlichen Körper. Er verwendete insbesondere Baumwoll- und
Jerseystoffe. Seine Mode funktionierte geschlechterübergreifend und
grenzte sich deutlich vom Catwalk Mainstream ab. Patrick Mohrs
Kollektion schien völlig unabhängig vom Zeitgeschehen und
aktuellen Strömungen als eigener kleiner Kreislauf parallel zu
existieren. Tragbar waren wohl die meisten Modelle eher nicht.
Dennoch waren wir dankbar dafür, dass Mohr die Fashionweek immer
wieder so kreativ bereichert und uns Highlights verschafft, über
die wir auch noch in der nächsten Saison sprechen werden.
Text: Caroline Cozzella
Fotos: Michael Wittig
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Ausgabe Juli 2010



