Auf unserer Sonderseite "We fashion you!" stellt modekultur.info die Modeschulen in Berlin vor. In diesem Monat berichten wir über das OSZ Bekleidung und Mode in Berlin.
Text: Anne Mareile Moschinski
Handwerk
und Technik
Das Oberstufenzentrum Bekleidung und Mode (OSZ) in Berlin bildet
Schneider und Assistenten für Mode und Design aus. Auch Schulabschlüsse
können hier abgelegt werden.

Mit einer selbst erstellten Kollektion schließen
die Schüler am OSZ ihre Ausbildung zum Assistenten
für Mode und Design ab.
Auf beinahe
jedem freien Quadratmeter präsentiert das Berliner
Oberstufenzentrum Bekleidung und Mode (OSZ) die kreativen Fähigkeiten
seiner Schüler: Unter der Decke im Erdgeschoss hängen Torsi von
Schaufensterpuppen, an denen die Kollektionen von Absolventen
drapiert sind. Taillierte Jacken aus Satin- oder Brokatstoff sind
hier neben eng geschnittenen Blusen aus Baumwolle und schmalen Rüschenhemden
zu sehen. Die Wände im Treppenhaus zieren gerahmte Fotos von
Modenschauen: Zum Thema „Märchen“ sind phantasievolle, mit
Perlen und Pailletten bestickte Kostüme ausgestellt, auch
alltagstaugliche, sportive Kleidung wird auf den Bildern präsentiert.
„Design
steht an unserer Schule nicht im Mittelpunkt. Wir legen vielmehr
Wert auf eine ordentliche Fertigung und Verarbeitung der Stoffe“,
erklärt Schulleiterin Maren Baldeweg. Die klassischen Modeberufe
werden am OSZ ausgebildet: Modenäher, Modeschneider, Assistent für
Mode und Design. Auch verschiedene Schulabschlüsse –
Fachhochschulreife, Hauptschul- und Mittlerer Schulabschluss – mit
dem Schwerpunkt Mode lassen sich hier erwerben. 1 200 Schüler
besuchen das OSZ derzeit, unterrichtet werden sie von 70 Lehrern.
„Dem Beruf eines Mode-Designers kommt die zweijährige Ausbildung
zum Assistenten für Mode und Design am nähesten“, berichtet
Maren Baldeweg. Voraussetzung für das Erlernen dieses Berufs ist
ein Mittlerer Schulabschluss. „Bei dieser Tätigkeit geht es nicht
in erster Linier darum, eigene Kollektionen zu entwerfen. Statt
dessen steht die technische Umsetzung der Schnitte im
Vordergrund“, erklärt die Schulleiterin. Nach der Ausbildung
stehen die Assistenten den Designern in Bekleidungsfirmen zur Seite,
müssen beurteilen, ob sich deren Entwürfe verkaufen lassen und auf
eine große Zielgruppe treffen. Kalkulation und Marketing gehören
daher zum Unterrichtsstoff. „Die Assistenten halten nach
Saisonfarben und angesagten Stoffen Ausschau. Sie erstellen
Trendanalysen, indem sie Fachmagazine oder Kinofilme studieren“,
so Maren Baldeweg.
Der
erste Versuch funktioniert selten
Neben allgemeinbildenden Fächern wie Mathematik, Wirtschaft, EDV oder Sozialkunde werden die angehenden Mode-Assistenten auch in berufsbezogenen Bereichen wie Textilwarenlehre, Maschinentechnik oder Kostümkunde unterrichtet. Letzteres setzt sich dabei mit der Geschichte der Mode auseinander, behandelt beispielsweise Epochen wie den Rokoko oder die Biedermeier-Zeit und betrachtet diese aus einer bekleidungstechnischen Perspektive. „Es gibt viele Elemente in der Mode, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind und trotzdem heute wieder auftauchen“, erklärt die Schulleiterin und nennt die unterhalb der Brust angesetzte Taille aus der Empire-Zeit oder die aus dem Rokoko stammenden Rüschen an Hemdsärmeln als Beispiel. Im ersten Jahr der Ausbildung werden den Schülern Nähen, Erstellen von Schnitten und Textilwarenkunde beigebracht, im zweiten Jahr müssen sie ihre eigene Kollektion entwerfen, anfertigen und präsentieren. Damit legen sie ihre Abschlussprüfung ab.

Großen Wert legt das OSZ auf eine
ordentliche Verarbeitung der Stoffe
„Die Schüler
müssen hier zeigen, dass sie den theoretischen Schnitt praktisch
umsetzen können, dass die Nähte sorgfältig gearbeitet sind, dass
die Größen den Maßtabellen entsprechen“, erklärt Monika
Riemer. Sie ist Fachleiterin für Gestaltung und Konstruktion am OSZ
und unterrichtet derzeit eine Klasse von 15 Schülern im
Ausbildungsgang Assistenz für Mode und Design. „Man braucht viel
Geduld in dieser Branche, darf nicht ständig auf die Uhr gucken.
Denn nicht immer funktioniert gleich der
erste Versuch“, sagt sie und zeigt auf eine Baumwollhose, die sie
vor ihrer Klasse zur Demonstration an eine Schaufensterpuppe gehängt
hat. „Im Moment bin ich dabei, den Grundschnitt einer
Hose zu erklären. Dabei sollen die Schüler das Handwerk lernen und
zeichnen, aber auch mit Hilfe eines entsprechenden Computerprogramms
den Schnitt erstellen können. Dazu braucht man Übung.“ Die Maße
der Hose hängen neben der Tafel, ausgeschnitten aus Papier. Auf den
Arbeitstischen der Schüler liegen Zeichenpapier und Bleistift,
Skizzen werden angefertigt, Maße ausgerechnet.
„Ich habe bereits
am OSZ eine Ausbildung zur Modeschneiderin absolviert. Jetzt lasse
ich mich zur Modeassistentin ausbilden, weil ich mich im Zeichnen
und der Schnitterstellung weiter entwickeln möchte“, erzählt die
22-jährige Schülerin Gülizar Kayuncu. Sie will nach ihrer
Ausbildung in ihre
Heimat, die Türkei, zurückkehren. Denn: „Die Chancen, einen
guten Job in der Bekleidungsbranche zu bekommen, sind dort sehr
hoch.“ Schüler Tino König arbeitet ein paar Meter weiter an
seiner Zeichnung. Der 24-Jährige ist ebenfalls gelernter Schneider,
durch die Ausbildung zum Modeassistentin will er sich weiter
qualifizieren. „Mein Ziel ist es, mich selbstständig zu machen
und ein eigenes Label zu gründen. Dafür brauche ich noch
Kenntnisse in der Fertigung und im Marketing“, berichtet er. Schon
jetzt entwirft Tino König Sommerkleider, die in einem Laden in
Prenzlauer Berg verkauft werden. „Trends renne ich nicht
hinterher, statt dessen entwickle ich eigene Ideen. Denn ich finde
es langweilig, wenn alle Leute in denselben Klamotten
herumlaufen“, sagt er.
Dass Kreativität eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung ist, betont auch Schulleiterin Maren Baldeweg: „Wenn man in diesem Job arbeiten will, braucht man Ideen, muss eine große Affinität zu Farben und Formen besitzen. Handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, ordentlich zu zeichnen, sollte man außerdem mitbringen. Dann kann man es zu etwas bringen.“ In Bekleidungsfirmen würden nach der Ausbildung die meisten Absolventen arbeiten. Immer mehr wagen jedoch auch den Sprung in die Selbstständigkeit und eröffnen ihren eigenen Laden. Denn, so betont Kollegin Monika Riemer, Leidenschaft sei das wichtigste Kriterium, um in der Mode-Branche erfolgreich zu sein. „Genau das vermitteln wir unseren Schülern hier“, sagt die OSZ-Lehrerin.
Weitere Informationen zur Ausbildung unter:www.osz-bekleidung-mode.de
Slide
Show:
Die Abschlussmodenschau des OSZ Bekleidung und Mode Berlin fand am
4. Juli 2007 in Berlin statt. Hier unsere
Slide Show zum Event:
Weitere Präsentationen von Modeschulen im Juli 2007: >>hier
Lesen Sie auch unsere Reportagen über andere Modeschulen:
Die Adressen der Berliner Modeschulen: >>mehr
Stand: 09/2007
Linktipps:

