Lette-Verein Berlin
Text: Cornelia Liese
„Wir wollen nach Paris, Haute Couture ist unsere Welt!“ Die
Begeisterung von Mona Isabell und Georg Lux ist ansteckend.
Inspiriert wurden beide von ihrem Lehrer Hermann Kohl, der ehemals
bei dem Berliner Couturier Uli Richter tätig, die Jungdesigner
nicht nur für die Geschichte von Kunst und Mode, sondern auch für
die höchste Schneiderkunst begeistern konnte. Nächste Woche zeigen
die Design-Talente erst einmal ihre Abschlusskollektion bei einer
Modenschau im Berliner Tempodrom. Mona Isabells dreiteilige
Kollektion, die sie, wie im Abschlussjahr üblich, allein entworfen
und genäht hat, ist von der japanischen Papierfaltkunst „Origami“
inspiriert. Ihr Kommilitone Georg Lux hat als Thema die
„Byzantinische Kaiserin“ gewählt und wird bei der Modenschau
eine Kollektion in kräftigen Orangetönen und mit opulenten Kragenlösungen
präsentieren. Über einhundert Entwürfe werden die Absolventen der
Abschlussklasse in diesem Jahr zeigen, bevor zwei der
frischgebackenen „staatlich anerkannten Modedesigner“
in die Seine-Metropole aufbrechen. „Am liebsten möchte ich
natürlich zu Chanel“, sagt der 22jährige Georg Lux, aber auch
bei den anderen großen Couture-Häusern will er sich mit
Kommilitonin Mona Isabell und einem Portfolio von Entwürfen direkt
bewerben. „Wohnen werden wir erst einmal bei Freunden“, erklärt
die 26jährige. „Mode um 1900“ war eines der Themen, das sie im
Rahmen ihrer 3jährigen Ausbildung umgesetzt und neu interpretiert
haben. Ihre Entwürfe haben sie auf großformatigen Fotografien
festgehalten: lange Roben, raffiniert gesetzte Schlitze und dazu
Leggins aus zarter und teurer Spitze.

Entwürfe
von Mona Isabell und Georg Lux
zum Thema „historische Mode“
Fotografie: Michael Grasmann
Zusammen mit zwanzig anderen Schülern gehören Mona Isabell und Georg Lux zu den Absolventen des Fachbereichs Mode am Lette-Verein. Die vom Berliner Senat getragene Privatschule liegt am Viktoria-Luise Platz in Schöneberg. Man kann die Schule nach dem Abschluss der Mittleren Reife besuchen, das Schulgeld beträgt 80 Euro im Monat. Bewerbungsschluss ist jeweils der 31. Dezember. Die Plätze an der Schule sind pro Jahr begrenzt auf 28 Schüler, die Zahl der Bewerbungen liegt laut Fachbereichsleiterin Martina Vogt meist zehnmal höher. „Mit einem Aufnahmeverfahren wollen wir nicht nur die fachliche Eignung, sondern auch die Motivation der Schüler prüfen, denn Modedesigner brauchen neben Kreativität vor allem den Willen zum Erfolg“ so Vogt. Alle Schüler haben erfolgreich eine Aufnahmeprüfung bestanden und eine Hausaufgabe bearbeitet. „Wir sollten jeweils fünf Entwürfe für Regenmäntel und Freizeitanzüge zeichnen und dafür auch jeweils passende Stoffe auswählen“, erinnert sich Mona Isabell an ihre Bewerbung vor vier Jahren. „Außerdem sollten wir ein Stillleben mit Obst zeichnen“, so Lux. Auf die Vermittlung von sehr guten Zeichen-Fähigkeiten wird an der Schule ebenso großen Wert gelegt, wie auf größtmögliche Nähe zu den internationalen Trends, die die Schüler selbst erforschen und dann auf ihre Art und Weise umsetzen sollen.

Entwürfe der Klasse von Ines Rudolph
zum Kollektionsthema „Waldfee“
Fotografie: Cornelia Liese
In einem Arbeitsraum mit Tafel, Nähmaschinen, Bügelstation und
Schneiderpuppen hängt ein hellgrüner BH zum Trocknen. Eine Schülerin
hat ihn gerade eingefärbt, passend zu den Chiffon-Kleidern, an
denen eine Gruppe junger Frauen näht. Die Kleider sind fast fertig
- am Montag ist Prüfung. „In den ersten beiden Jahren arbeiten
die Schüler immer in der Gruppe und lernen dadurch im Team zu
arbeiten“, so die Lehrerin Ines Rudolph. Die Prüfung, genannt
„interne Abnahme“ müssen die Schüler dann aber allein
bestreiten und den von ihnen kreierten Look – ein komplettes
Outfit am Model - präsentieren. Die Lehrer bewerten dann das
Gesamtbild, auch den „Sense“ der Umsetzung. Die Klasse von Ines
Rudolph befindet sich im 2. Ausbildungsjahr. Die Kleider im
Babydoll-Look erinnern an moderne Waldfeen, das Thema dieser
Kollektion. Die Gruppe hatte sich zu Beginn des Schulhalbjahres auf
diese Kollektions-Idee geeinigt und sie dann in mehreren Phasen
umgesetzt. Zuvor hatte die Klasse im Fach „Schnitt- und
Fertigung“ den Schnitt gelernt. „Normalerweise wird dann meist
ein Probeschnitt in Nesselstoff angefertigt. Der feine Chiffon
jedoch wurde direkt an den Puppen drapiert und muss nun mit der Hand
genäht werden“, erklärt die Lehrerin die zeitintensive
Handarbeit ihrer Schülerinnen.
Trendorientierung mit
Praxisbezug
Auf dem Stundenplan stehen Fächer von Aktzeichnen bis Sozialkunde, insgesamt 34 Stunden pro Woche. Neben Fächern wie Schnittkonstruktion und Fertigungstechnik werden auch Kollektionsgestaltung, CAD, Kunstgeschichte und Designtheorie sowie Marketing unterrichtet. Am Beginn jedes Schulhalbjahres steht grundsätzlich die Analyse der aktuellen Trends aus Paris, Mailand und New York. „Es ist wichtig, dass die Schüler ein Gespür für diese Trends entwickeln und dann mit ihnen arbeiten“, erklärt Martina Vogt. Sie selbst ist Modedesignerin und hat nach dem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld unter anderem bei Gerry Weber für die „Etienne Aigner-Kollektion“ gearbeitet. Wie sie haben auch die Kolleginnen und Kollegen eine langjährige und sehr unterschiedliche Berufspraxis: Einige waren bei Berliner Couture Häusern wie Uli Richter beschäftigt, andere haben eigene Mode-Labels wie beispielsweise Tutu Wagner oder Ines Rudolph, die neben vielen anderen beruflichen Stationen auch in Spezialbekleidungshäusern für große Größen und Arbeitsbekleidung gearbeitet hat. Auch die Absolventen werden später ganz unterschiedliche Wege gehen. Georg Lux und Mona Isabell sind eher die Ausnahme, denn für Haute Couture begeistern sich nur wenige. Viele Absolventen bleiben in Berlin und machen sich selbstständig, andere wechseln in die Bekleidungsindustrie. Bekannte Labels wie Eisdieler, Thatchers, Costas Mokudis oder Scherer-Gonzales sind von Absolventen des Lette-Vereins gegründet worden, so Vogt. Von der Idee, über den Entwurf und den Schnitt, bis zu der Anfertigung in Nesselstoff, Änderungen und Anpassung der Schnitte und nicht zuletzt durch das Nähen können die Schüler sämtliche Schritte erlernen, um danach eine eigene Kollektion zu entwerfen und umzusetzen. „Praxisorientierte Entwürfe, Schnittsetzung und eigenes Nähen – darauf legen wir großen Wert: Unsere Schüler lernen die ganze Bandbreite!“, fasst Martina Vogt den Ansatz der Modeschule zusammen.
Slide
Show und Fotostrecke:
Die Abschlussmodenschau der Absolventen des Fachbereichs Modedesign
des Lette-Vereins fand am 6. Juli 2007 in Berlin statt. Hier unsere
Slide Show und Fotostrecke zum Event:
Weitere Präsentationen von Modeschulen im Juli: >>hier
Lesen Sie auch unsere Reportagen über andere Modeschulen:
Die Adressen der Berliner Modeschulen: >>mehr
Stand: 07/2007
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