Text: Anne Mareile Moschinski
Viele Läden in Berlin präsentieren
Design aus der Hauptstadt.
modekultur.info stellt drei von ihnen vor.

Auf einer Verkaufsfläche von 480
Quadratmetern
präsentiert "Berlinomat" in Friedrichshain
180 verschiedene Labels
Schon
seit vielen Jahren gilt Berlin als Metropole für Künstler,
Designer und Modemacher aus aller Welt. Die Mieten sind niedrig, das
kulturelle Angebot ist groß. Kleine Läden, in denen bedruckte
Buttons oder selbst gemalte Bilder verkauft werden, findet man daher
zuhauf in der Hauptstadt. Seltener sind dagegen kreative Zentren,
die auf großen Verkaufsflächen Berliner Design präsentieren.
Eines davon findet man in Friedrichshain, ganz hinten in der
Frankfurter Allee. Seit 2003 betreibt hier der gelernte
Werbekaufmann Jörg Wichmann zusammen mit seiner Freundin, der
studierten Modedesignerin Theresa Meirer, den exklusiven Laden „Berlinomat“
– eine Plattform für Designer aus der Hauptstadt. Betritt man die
480 Quadratmeter große Verkaufsfläche schlagen einem viele Eindrücke
auf einmal entgegen: Direkt hinter dem Eingang stehen kleine runde
Tischgruppen mit weißen Stühlen, an einer Bar kann man Kaffee,
Softeis oder Fruchtsaft bestellen – nicht gerade typisch für
einen Laden, der sich exklusivem Mode-, Schmuck-, Möbel- und
Produktdesign verschrieben hat. „Den Café-Bereich finde ich sehr
wichtig. So können beispielsweise die Frauen in Ruhe Klamotten
anprobieren, während ihre Männer einen Latte Macchiato genießen
und der Musik zuhören“, sagt Jörg Wichmann. Vor der Eröffnung
von „Berlinomat“ betrieb er zusammen mit Partnerin Meirer das
Modelabel „Hotinuf“. „Wir konnten unsere Sachen zwar immer gut
verkaufen, wussten aber nie so recht, wer unsere Kunden sind. Und
weil wir viele Freunde in der Designbranche
hatten, entschlossen wir uns schließlich, einen Laden zu eröffnen
und dort im großen Stil Berliner Design zu verkaufen“, schildert
der „Berlinomat“-Betreiber. Mit 32 Designern fing das Paar
damals an, mittlerweile präsentiert es auf seiner Verkaufsfläche
180 verschiedene Labels.
„Wir waren die Ersten, die in diesem Umfang Berliner Designern eine Plattform für den Verkauf ihrer Entwürfe gegeben haben“, erzählt Jörg Wichmann. „Von Anfang an war es uns dabei wichtig, Design auf einem hohen qualitativen Niveau anzubieten.“ Dabei können die Produkte ruhig auch ein bißchen experimentell sein. So wie die Taschen, auf denen Fotoprints von graffiti-besprühten Berliner Hauseingängen und brennenden Kreuzberger Autos zu sehen sind. Oder das Geschirr-Service, das mit Ausschnitten aus dem Berliner Stadtplan bemalt ist. „Wir möchten den Leuten Design bieten, das nirgendwo anders zu sehen ist und auch ein bißchen unsere Stadt repräsentiert“, sagt Jörg Wichmann. Auch im Ausland kommt das gut an: Vor Kurzem stattete er mit Designern aus seinem Sortiment einen Shop des „Museum of Modern Art“ in New York aus. „Damit haben wir wirklich einen Meilenstein erreicht“, betont der 36-Jährige.

Eine
große Auswahl an Abendmode und High Fashion
findet man bei "Berlinerklamotten" in Mitte
Dass Design aus der Hauptstadt international großen Anklang findet, merkten auch die Betreiber von „Berlinerklamotten“ in Mitte. Sie wollen im nächsten Jahr die „Europäisierung“ ihres Ladens, in dem ausschließlich Berliner Modelabels verkauft werden, vorantreiben. „Wir haben verschiedene Anfragen aus dem Ausland bekommen und nun geplant, drei bis vier internationale Shops zu eröffnen. Die Verhandlungen laufen allerdings noch, so dass ich die Standorte derzeit nicht nennen kann“, berichtet Lennart Jondral. Zusammen mit dem Grafikdesigner Eike Wendland und der Modefotografin Birgit Kaulfuß betreibt der 39-Jährige die Plattform „Berlinerklamotten“, im Sommer 2004 gründeten die drei ihren Laden. „Wir haben früher alle zusammen in einer Werbeagentur gearbeitet, wollten aber nicht ewig in dieser Branche bleiben. Und da sich Berlin zu dem Zeitpunkt immer mehr zur Modehauptstadt entwickelte und viele unserer Freunde Modedesigner waren, eröffneten wir einen Laden‘“, erzählt Lennart Jondral. Der hatte seinen Standort anfangs noch in der Rosenthaler Straße in Mitte, war dort in einem leer stehenden Haus untergebracht. Alle paar Monate wechselten die drei damals die Ladenfläche, mieteten Verkaufsräume in leeren Häusern zur Zwischennutzung. Gut zwei Monate liegt der letzte Umzug von „Berlinerklamotten“ zurück, im April richteten sie sich in Hof III der Hackeschen Höfe ein. „Hier wollen wir für längere Zeit bleiben“, sagt Lennart Jondral. Das Angebot konzentriert sich vor allem auf High Fashion und Abendmode, doch auch Streetwear gibt es. 40 verschiedene Labels sind im Sortiment, auf dem Onlineportal von „Berliner Klamotten“ können Kleidungsstücke von 140 Designern bestellt werden. T-Shirts mit applizierten Baumwollhemdstoffen findet man bei „Berlinerklamotten“ ebenso wie Geldbeutel aus Jeans-Stoff oder Shirts mit aufgedrucktem Fernsehturm.

Der
"Designbogen" in Charlottenburg hat sich
auf puristisches Design spezialisiert
Auf eine ganz andere stilistische Richtung haben sich Dörte Boesche und Nursiye Özel spezialisiert. Sie eröffneten Anfang des Jahres in einem Charlottenburger S-Bahn-Bogen nahe des Savignyplatzes einen Laden, der neben Design aus der Hauptstadt auch europäische Produkte führt. „Designbogen“ haben sie ihn genannt. Auf einer Fläche von 200 Quadratmetern werden Taschen aus Fleece mit auswechselbarer Vorderfront angeboten, es gibt schlichtes Geschirr aus Skandinavien, massive Betten aus Berlin, elegante Abendkleider und knappe Corsagen. „Wir wollten bewusst nicht den berlintypischen, eher trashigen Stil anbieten. Denn wir favorisieren eher ein schlichtes, puristisches Design“, sagt Nursiye Özel. Zusammen mit Dörte Boesche studierte sie in Berlin Architektur, nach dem Studium gründeten sie ein gemeinsames Label und produzierten schlichte, klassische Möbel. „Dadurch kannten wir das Problem, das viele junge Designer haben, wenn sie ihre Produkte vertreiben wollen und nach Abnehmern suchen“, berichtet die 37-jährige Nursiye Özel. Schon lange hatten beide mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen – der Schritt, eine Plattform für zeitgenössisches Design zu gründen, lag für sie daher auf der Hand. Also fuhren sie auf Messen, knüpften Kontakte zu anderen Designern, gingen schließlich auf Ladensuche. „Wir wollten nicht in die Trendviertel wie Mitte oder Prenzlauer Berg. Denn dort gibt es derartige Läden schon genug. Hier in Charlottenburg sind solche Design-Plattformen noch nicht so präsent“, erzählt Nursiye Özel. Das Publikum im Viertel ist bunt gemischt. So finden stilbewusste Mittzwanziger ebenso den Weg in den „Designbogen“ wie modebewusste Über-50-Jährige. „Amüsant fanden wir, dass ein- und dasselbe Abendkleid einmal von einer graumelierten Dame mit Kreditkarte gekauft wurde und sich ein paar Tage später eine junge Studentin dafür entschied“, erzählt Nursiye Özel. Denn eines ist der „Designbogen“ nicht: Eine Plattform für Nischenprodukte.
Service-Adressen:
- Berlinomat, Frankfurter Allee 89, 10247 Berlin, Tel. 030/ 42 08 14 45, www.berlinomat.com, Öffnungszeiten: Mo-Fr, 11-20 Uhr, Sa, 10-18 Uhr
- Berlinerklamotten, Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/ 41, 10178 Berlin, www.berlinerklamotten.de, Öffnungszeiten: Mo-Sa, 11-20 Uhr
- Designbogen, Jeanne-Mammen-Bogen 574/575, Ecke Uhlandstraße, 10623 Berlin, Tel. 030/ 31 01 78 03, www.designbogen.de, Öffnungszeiten: Mo-Fr, 11-19 Uhr, Sa, 11-16 Uhr
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Ausgabe Juli 2007

