Text: Manuela Reisbeck
Bild: Dale Wisely

"Walking in the Desert with High
Heels" (Righthandpointing)
Spätestens seit "Sex and the City" wissen die modernen
Frauen, dass High Heels wieder hoch im Trend liegen. Während wir
Samantha, Charlotte, Miranda und natürlich der unvergleichlichen
Carrie immer noch wehmütig nachtrauern, haben sich deren Lifestyle,
Esprit, und Fashion-Gefühl in unsere Herzen und eben in jenen
weiblichen Gehirnfetzen, welche sich mit der Ästhetik beschäftigen,
für alle Ewigkeit fest eingebrannt. Nicht unerheblich dazu
beigetragen haben die "Manolo Blahniks". Vor "Sex and
the City"-Zeiten gern mit einem Klaviervirtuosen aus dem
osteuropäischen Raum zu verwechseln, aber eben durch die besagte
Carrie zur Schuhdesign-Ikone in den Olymp aufgestiegen.
Und das ist es, was uns vorschwebt: Schlanke Füße in zarten
Sandaletten, am besten mit einem Schleifentwist an der Seite, der
Absatz: je höher je sexier. Wir huschen elegant durch die Straßen
und die Männer liegen uns zu Füßen. Klingt verlockend, doch wann
haben Sie das letzte Mal ihre edlen Schuhe aus dem Karton gepackt
und tatsächlich angezogen? Ich persönlich habe mein letztes Paar
vor wenigen Monaten in Florenz erstanden und seit ihrer
Erstvorstellung in der Umkleidekabine mit passendem Gina
Lollobrigida-Look kamen sie auch tatsächlich nicht mehr zum
Einsatz. Die wahre Treue halte ich weiterhin meinen Halbschuhen mit
flachem Großstadtabsatz, die zu Hose und Rock, bei Regen und
Sonnenschein passen.
Die Antwort liegt für mich auf der Hand, oder besser gesagt, auf
dem Fuß. Ich kann darin einfach nicht laufen. So schön die Dinger
auch sein mögen, wenn man beim Laufen sich auf jeden Schritt
konzentrieren muss, lässt sich die Aussicht von weit oben einfach
nicht mehr gebührend genießen. Dennoch muss es machbar sein. Wir
sind doch täglich Zeugen ihrer Einsätze im Flimmerkasten oder bei
Promi-Events auf dem Roten Teppich. Sophia Loren ist sogar bis ins
hohe Alter nicht ohne sie zu denken. Warum sind Frauen also
heutzutage immer weniger fähig, sich diesem Symbol der Weiblichkeit
im Alltag hinzugeben?
Betrachten wir die Materie etwas genauer. High Heels erfordern
wenige, aber dafür sehr wichtige Voraussetzungen: langsames
Lauftempo mit kleinen, eleganten Schritten, der Boden wird nur
leicht berührt und das mit lediglich 50% der Sohlenoberfläche. Die
Körperspannung wird von den Zehen bis in die Haarspitzen
ausnahmslos aufrechterhalten. Zeit, es auszuprobieren!
Kurz nach sieben in der Frühe sprinte ich in meinen neun Zentimeter
hohen, schwarzen Italien-Pumps elegant mit meiner 2-jährigen
Tochter auf dem Arm die 4 Stockwerke hinunter. Der Kinderwagen wird
beladen und los geht's. Spätestens beim Schieben des Gefährts fällt
mir auf, dass meine leicht nach vorne gebückte Haltung und das häufige
Umknicken wirklich nichts mit Sarah Jessica Parkers selbstsicheren
Gleiten über die New Yorker Trottoirs gemein hat. Nass geschwitzt
gebe ich meine Tochter in der Kita ab und laufe zügig, mit großen
Schritten übers Berliner Kopfsteinpflaster zur U-Bahn, denn ich bin
wie jeden Morgen viel zu spät dran. Endlich sitze ich und denke
angestrengt darüber nach, wie ich diese ungeheuren Fußfolterartikel
loswerden kann. Während ich Haltung bewahrend die Beine im
Diva-Stil übereinanderschlage, begreife ich endlich, warum New
Yorker Frauen auf dem Weg zur Arbeit ihre Turnschuhe vorziehen und
erst im Büro die Geheimwaffen anlegen.
Sollten High Heels in Ihrem Multi-Task-Alltag ebenso wenig in Frage
kommen, wie in meinem, schlage ich vor, dass wir unser Augenmerk in
Richtung Audrey Hepburn richten, die sich zeitlebens geweigert hat,
die schönen Folterinstrumente anzuziehen und damit keinen
geringeren als den Meister Salvatore Ferragamo dazu inspirierte, die
Ballerinas zu erfinden.
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Linktip für Freunde der Internet-Poesie: Righthandpointing
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Ausgabe Februar 2007

