Kommen Sie mit auf eine
Reise in die Modeszene.
Simone Geißler berichtet für uns in ihrer täglichen Kolumne
über die Events der Modewoche und schildert uns ihre ganz
persönlichen Eindrücke vom Fashion-Highlight des Sommers.

Simone Geißler
Outfit: Nicole Reinhold "VONLOTTA"
Foto: Michael Wittig
10. Juli 2010:
Letzter Eindruck
Langsam neigt sich die Fashion Week dem Ende entgegen. Und zum letzten Mal heißt es Impressionen sammeln. So lasse ich mir zum Schluss das WEDDING DRESS #5 Festival of Urban Fashion and Lifestyle nicht entgehen. Auf dem Weg zum Brunnenviertel, wo das Festival stattfindet, freue ich mich über jeden Luftzug der mich streift. 30 Grad im Schatten sind nicht ohne. Jedoch von der Hitze lasse ich mich nicht abhalten. Mit Fächer und Wasser bewaffnet gelange ich in die Brunnenstraße in Berlin Wedding.

Open Air-Modenschau beim WeddingDress#5
Foto: Dirk Kinnemann
2005 wurde WEDDING DRESS von
der Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO und der Werbeagentur Granma ins
Leben gerufen.
Die zwei Unternehmen haben sich zum Ziel gesetzt, mit WEDDING DRESS
das Viertel wieder zu beleben. Denn
nach der Wende wurde das Brunnenviertel zum Randgebiet, und viele
Firmen und Geschäfte zogen aus Wedding in den schicken Bezirk
Mitte.
Zwischen dem damaligen WEDDING DRESS und dem heutigen WEDDING DRESS #5 gibt es einen Unterschied. Anfänglich war es ein Wettbewerb für die Kreativszene, die, wie die Ateliergemeinschaft der „Modepioniere“, Atelierräume für ein halben Jahr mietfrei gewinnen konnten. Heute ist es ein etabliertes Mode-Festival, welches zum 5ten Mal stattfindet.
Wie es sich für ein Festival
gehört, gibt es neben der Mode auf einer extra Bühne Live-Konzerte
und Lesungen, Imbissstände, eine Area für Kids und natürlich
Fashion-Shows einiger Designer, die sich auf dem Festival präsentieren.
Ein entscheidender Vorteil lockt 180 nationale und internationale
Designer an. Im Gegensatz zur Bread & Butter oder Premium, müssen
die Aussteller keine Standgebühr bezahlen. Die Kosten übernimmt
die DEGEWO.

Open Air-Modenschau beim WeddingDress#5
Foto: Dirk Kinnemann
Beim WEDDING DRESS #5 sind nicht nur unbekannte oder kleine Labels vertreten. Marcel Ostertag und Shootingstar Kilian Kerner, die ihre Kollektionen auf der Mercedes-Benz Fashion Week zeigen, sind ebenso mit ihren Labels anzutreffen. In den letzen 5 Jahren hat sich WEDDING DRESS zu einem Selbstläufer entwickelt. Ich würde schon sagen, neben den vielen anderen Events ist WEDDING DRESS ein absolutes Muss geworden.
Meine Impressionen der fünf Tage Fashion Week sind beeindruckend. Locker hätte man mit diesem gnadenlosen Pensum von Messen, Shows, Empfängen und Partys drei Wochen füllen können. Jetzt sind die Modetrends für Spring/Summer 2011 gesetzt. Für die nächsten sechs Monate kehrt ein wenig Ruhe in Berlin ein. Jedoch ganz ruhig wird es nie in der Stadt werden. Mit den vielen ansässigen Designern bleibt die Mode ständig in Bewegung.
Im Januar 2011 heißt es dann wieder Fashion, Fashion, Fashion Week autum/winter 2011/2012.
09. Juli 2010:
Ökologisch, stylish, gut!
Der Hauseigene Pianist des
Hotel Adlon Unter den Linden spielt ein klassisches Lied. Leise säuseln
die Gespräche der Gäste. Prachtvoll glänzt das Ambiente des
Foyers.
Mein erster voreiliger Gedanke ist: „Wenn man ökologische
Kollektionen präsentiert, dann muss eben ein wenig mit Prunk
abgelenkt werden“.
Hier wird jedoch gezeigt, dass Biokollektionen weder trist noch nur
naturbelassen sind. Im Gegenteil, Bio kann ganz schön sexy, elegant
und modisch daherkommen. Das beweist
der GREENshowroom im Hotel Adlon.
Die Gründerinnen des
GREENshowroom Magdalena Schaffrin und Jana Keller setzen hier eine
geniale Idee um. Sie bringen nationale und internationale Modemarken
in einem Showroom der Extraklasse zusammen. Diese präsentieren
unter anderem Tücher, Taschen und Accessoires zum Beispiel aus Hanf
und organischer Baumwolle.
Ein Beispiel für neue modische Green Fashion ist die Kollektion „M.désir“
von Lana Naturalwear. Als Grundstoff verwendet sie ausschließlich
Organic Cotton aus kontrolliertem biologischem Anbau. Kaum zu
unterscheiden von konventionellen Produkten, die aus herkömmlichen,
chemisch behandelten Materialien hergestellt werden.
Am heutigen Tag findet ergänzend
zum Showroom auch die GREEshowroom Salonshow statt. 14 Designer
zeigen überzeugend ihr Kollektionen.
Was mit ökologischen Stoffen alles möglich ist, präsentieren u.a.
ICA Watermelon, magdalena schaffrin, und Grüne Erde.
Dass Bio im Trend der Zeit
liegt, hat die PR und Marketingagentur „sieben & siebzig“ in
Berlin-Mitte vor einigen Jahren erkannt. Seither bewirbt sie nur
Bioprodukte.
Zünftig lädt die Agentur zum eco BRUNCH ein. PR und
Projektmanagerin Jessica Troppa begrüßt mich sehr freundlich und
die Geschäftsführerin Nadine Valencic führt mich im kleinen Büro im Erdgeschoß herum. Im Hauptraum des Büros
sind liebevoll die von der Agentur beworben Bioprodukte drapiert.

eco-shoowroom: Simone Geißler (re.)
im Gespräch mit Nadine Valencic
Foto: Dirk Kinnemann
Die Menschen und die Atmosphäre beim eco Brunch vermitteln mir eindrucksvoll den Sinn den Biotrends. Im Gespräch mit Nadine Valencic fühle ich mich pudelwohl. Sie vermittelt mir überzeugend den Slogan der Agentur „Bewusster Umgang mit Menschen und Ressourcen“. Aus meiner Sicht haben ihre Kunden die richtige PR-und Marketingagentur gewählt. Bei mir hat es auf jeden Fall gewirkt. Ich fühle mich in Sachen Bio gut beraten. Zum Abschied gibt es dann noch eine Tüte mit Bioprodukten als zusätzliches Argument.
Ganz Bio geht es mit dem Label Kami beim Showfloor im Umspannwerk Berlin-Kreuzberg weiter. Die aus Frankreich stammende Marke verwendet auch ökologisch hergestellte Stoffe für ihre Kollektionen. Die Modelle sind mehr sportlich, leger und im Business-Look gehalten. Die natürlichen Farben unterstreichen die Ausrichtung des Labels.
Fazit: vorbei sind die Zeiten, in denen Green Fashion bei den Modetrends nicht mithalten konnte. Heute macht es sogar Spaß, sich stylish zu kleiden und gleichzeitig rücksichtsvoll mit der Natur und sich selbst umzugehen.
08. Juli 2010:
Ein Hoch auf die Mode
Fortuna, die Göttin des Schicksals, muss ihre Hand im Spiel haben, als ich zum PopUp-Store am Alexanderplatz in die U-Bahnlinie 5 gehe. Wie sonst soll ich erklären, dass mein heutiger Tag mit Petticoatkleidern beginnt. Vielleicht sind meine Gedanken an Lena Hoscheks wunderbare Show am Tag zuvor am Bebelplatz mit ihrer Kollektion im 50iger Jahre Stil so stark, dass diese übernatürliche Macht eingreift und mich als erstes zum Label Kitsch Nation führt.

PopUp-Store in der U-Bahnlinie 5
Foto: Dirk Kinnemann
17 junge Berliner Designer und Designerinnen, wie Miri Kämpfer mit ihrem Label Kitsch Nation, präsentieren sich zwei Tage lang am Alexanderplatz in der U-Bahnlinie 5. Modeangebot und Menschen treffen an einem ungewöhnlichen Ort aufeinander.
Die gedankliche Verknüpfung von U-Bahn und PopUp-Store ist nicht schwer. Beim PopUp-Store ist es der Laden, der nach wenigen Tagen wieder verschwinden, weil abgerissen wird.
Mehr und mehr gebe ich mich
der Verzauberung der Kollektionen des PopUp-Stores hin. Was
passiert, wenn ich mich der Mode völlig hingebe?
Wenn ich mich auf die Mode einlasse, drücke ich meine Stimmung aus:
Was ich sein möchte, wer ich bin, wie ich mich fühle.
An weniger guten Tagen, schnappe ich mir lieber ein bequemes T-Shirt, einen kurzen schwarzen Rock und flache Schuhe. Fühle ich mich jedoch ausgeglichen, zeige ich es gern und greife lieber zur sexy engen Jeans und einem mit schicken Pailletten besetzen Oberteil. Wenn ich ein Rockebillygirl sein möchte, dann werde ich ein Rockebillygirl sein. Kleider machen Leute.

Foto: Dirk Kinnemann
Das alles kann ich mit den
Kreationen derjenigen sein, die sie entwerfen und auf den Markt
bringen. Wie zum Beispiel die Jungdesigner/innen des PopUp-Stores.
Genau diese zu finden und zu fördern, dem hat sich die
internationale Fashion School ESMOD verschrieben.
So sitzen Dozentin Silke Geib und Schüler Felix Hupka von der ESMOD
beharrlich mit ihrem Stand in der U-Bahnstation und erklären den
interessierten Passanten, wie an der Schule gearbeitet wird. Wer weiß,
vielleicht ist der eine oder andere dabei, der seine Kollektionen
eines Tages auf der Fashion Week präsentieren wird!? Oder sie
bekommen die Möglichkeit eine Kollektion für eine große Marke zu
designen, die später auf den internationalen Modemessen wie der
Bread & Butter gezeigt wird !? Diese Messe findet in Berlin
zeitgleich zur Fashion Week statt. Und dorthin führt mich mein nächster
Weg.
Eines hat die Bread & Butter: eine gewaltige Größe. Auf der Fläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof sind 650 Modemarken zu bestaunen. Die Bread & Butter ist die weltweit größte Messe für Street- and Urbanwear. Leider bin ich mit meinen High Heels nicht so gut ausgestattet, um die Messe schmerzfrei zu erkunden. Selbst mit flachem Schuhwerk sind die 650 Modemarken, von denen ein großer Teil Denim-Brands sind, an einem Tag schwer zu bewältigen. Ich habe Glück. Wie jedes Jahr gibt es die Bread & Butter BRAND BIBLE. Somit schau ich mir dann doch noch alle Marken bequem an.
Vor allem auf meinem Weg zum Kids Camp lasse ich mich nicht von meinen High Heels aufhalten. Auf 2.500 Quadratmetern präsentieren 45 Marken in Zirkuszelten die tollste Kindermode für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Von Pepe People bis Scotch Shrunk - alle anwesend.
Für den Endverbraucher sind die neuen Frauen-, Männer- und Kinderkollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 nicht zugänglich, da es sich um eine Fachmesse handelt, auf der nur Vertreter der Presse und der Branche zugelassen sind. Es wird dennoch akribisch darauf geachtet, wer sich die neuen Modelle anschaut. Die Angst des Ideenklaus ist groß. Die brandneuen Kollektionen werden dann im nächsten Jahr in den Läden angeboten
Um eine andere Angst geht es beim MDHcatwalk der Mediadesign Hochschule (MDH) Berlin und München, meiner nächsten Station. Es ist die „Wird-hoffentlich-schon-alles-glatt-laufen-Angst“. Im ehemaligen Fernmeldeamt zeigen das erste bis sechste Semester des Bereiches Modedesign ihre besten Arbeiten. Die gesamte Show wird umgesetzt durch Designer und Studenten aus dem Bereich Mediadesign, Medien- und Kommunikationsmanagement. Während der einstündigen Show spüre ich diese Angst immer wieder. Sie ist unmittelbar zu sehen und zu hören. Spielt die Musik leiser, dringt der nervöse Trubel aus dem Backstage-Bereich in den Zuschauerraum. Der Kameramann verzieht das Gesicht bei einigen seiner Fehler. Ein Model läuft professionell an mir vorbei. Ich spüre ihre Angst „Hoffentlich knick ich nicht weg“. Ursache war der noch offene Reisverschluss an den 12 cm hohen High Heels. Sie schlappte immer wieder aus dem Schuhen.
Die Show vermittelt eindrucksvoll den Stand des Nachwuchses in den jeweiligen Ausbildungsbereichen. Die Veranstaltung läuft trotz kleiner Missgeschicke wie ein professioneller Catwalk ab. Viel Erfolg für die Studenten auf ihrem Weg zu ihrem Abschlussdiplom.
Ein Hoch auf die Mode und ihre Macher! Ein Hoch auf die Mode, die immer wieder individuell sein möge!
07.
Juli 2010:
Brillanter
Einstieg
Während des Einlasses wird Rockabilly Music gespielt. Wer Lena Hoscheks Design kennt wundert sich nicht, dass die eigene Phantasie eine Reise in die 50iger Jahre unternimmt. Vor meinem inneren Auge bildet sich eine Frau ab, im hellblauen Petticoatkleid, mit rotem Taillengürtel, roter großer Schleife im offen gewellten Haar und rotweiss gepunkteten Schuhen. Sie steht strahlend in einer 50iger Jahre Küche mit schwarz-weiß kariertem Boden und hält ein Glas Milch in der Hand. Wohl bemerkt, der Catwalk ist schwarz-weiß kariert.

Foto: Michael Wittig
Kurz bevor die Show beginnt
schieben sich Vitali und Natalie Klitschko sowie Dolly Buster durch
das Blitzgewitter zu ihren Plätzen. Nach und nach geht das Licht
aus. Das an die Leinwand projezierte, mit Rosen gesäumte Herz, ein
liebevoll guckendes Schwein und ein weißes Band, auf dem der Name
der Designerin steht, verschwinden. Dann erhellen die Scheinwerfer
den Catwalk und das Model Franziska Knuppe eröffnet die
Show. Es folgen 20 Minuten sinnliche Weiblichkeit im 50-iger Jahre
Stil. Lena Hoschek
hat es sich nicht nehmen lassen, Gegensätze zu gestalten. Hin und
wieder tragen die Models Latexstrapse, die die Beine künstlich
wirken lassen. Dem einen oder anderen Model wurden die Hände hinter
dem Rücken gefesselt oder hier und da ein Nietenaccessoires
verwendet. Diese Art von Modeschöpfung strahlt für mich ein
besonders Statement aus - Weiblichkeit „JA“, aber vorsichtig, es
könnte gefährlich werden.
Lena Hoschek versteht es, mit ihrer Mode die Frau sehr sexy zu zeigen. Alleine beim hinschauen möchte ich am liebsten sofort eines der Kleider kaufen, um selbst weiblicher zu glänzen. Meine Begeisterung für diese Kollektion ist sehr groß und wer weiß, vielleicht wird mein nächstes Kleid ein Petticoatkleid sein. Doch um bei dem Thema Weiblichkeit zu bleiben: eine andere Gattung fand ich in der Show von DIMITRI wieder. Die sinnliche Weiblichkeit. So wundere ich mich auch nicht, das sich der Designer unter anderem für Babara Meier von „Germany's Next Top Model“ als Model entschieden hat. Für mich reflektiert Babara Meier diese besondere sinnliche Weiblichkeit. DIMITRI unterstreicht seine Kollektion mit riesigen Perlenketten, goldenen Kreolen und Taschen. Er setzt bei den Outfits Akzente durch tolle Muster aus verschiedenen Länder. Selbst das verführerisch wallende Kleid fehlt nicht. Zum Schluss lässt es sich DIMITRI nicht nehmen, selbst den Catwalk auf und ab zu laufen. Für ihn war es sein zweites Mal auf der Fashion Week. Und wie beim ersten Mal fand ich es eine gelungene und abwechslungsreiche Kollektion.

Foto: Michael Wittig
Mit den Gedanken an die Show mache ich einen Abstecher in den Showroom von Jette Joop. Im Hotel de Rome werde ich zu einer großen silbernen Wand mit roter Tür gelotst. Für den ersten Moment ist aus der Ferne nichts Besonderes zu erkennen. Doch als mir der Pförtner die Tür öffnet, war klar, die Tür ist kleiner, als ich selbst groß bin. Ich muss mich bücken, um eintreten zu können. Dieser Effekt hat seine Wirkung. Es ist, als würde ich etwas hinter mir lassen und in eine andere Welt eintauchen. Jette Joop hat einen Showroom von besonderer Art geschaffen. Nach einer sehr freundlichen und persönlichen Begrüßung lasse ich mich auf den Raum ein.

Foto: Dirk Kinnemann
Im Mittelpunkt des Showrooms steht ein gläsernes Gewächshaus. Es ist mit Moos ausgelegt und begehbar. Im und um das Gewächshaus sind wunderbare Vogelkäfige drapiert. In den Käfigen ist zum Teil die neue Kollektion, wie zum Beispiel Brillen, Ringe, Ketten arrangiert. Weitere Stücke werden in Glaswürfeln gezeigt. Der gesamte Showroom spiegelt ein tolles Bild der gesamten Kollektion wieder. Dann verlasse ich den Raum durch die rote Tür wieder und es steht das letzte Programm für mich auf dem Plan. Die Show von Frida Weyer.
Nach einer langen Schlange und etwas drängeln stehe ich im Kassensaal der Gendarmerie endlich auf meinem Platz.

Foto: Dirk Kinnemann
Auch Jette Joop hat in der ersten Reihe ihren Platz eingenommen. Viele Leute wollen die Show von Frida Weyer sehen. Bei so einem Andrang müsste die Show eine Entschädigung werden. Die Musik beginnt und es wird eine reine Kleiderkollektion und eine kleine Kinderkollektion für festliche Anlässe gezeigt. Das gesamte Design ist für mich einfach und direkt gehalten. Ausgenommen von ein paar Details, wie große Blumen oder Raffungen, die das Design aufpeppen. Passend gewählt für die Show finde ich die Location der Gendarmerie. Ein hoher, offener und heller Raum, der die Kollektion gut trägt. Nach 21 Kleidern kommt der krönende Abschluss. Ein Hochzeitkleid in Mini. Selbst bei diesem Kleid bleibt Frida Weyer präzessiös und schlicht. Hier peppt eine große Stoffraffung am Bauch das Ganze auf.
Nun lasse ich den ersten Tag der Fashion Week mit seinen vielen Eindrücken hinter mir. Und denke, schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Es gibt so vieles zu sehen.
06. Juli 2010:
Startschuss:
Die internationale Modeschule ESMOD Berlin gibt den Startschuss für die kommenden Fashiontage im HdKdW „Haus der Kulturen der Welt“, unabhängig von der Mercedes-Benz Fashion Week, Bread & Butter, Showmeile, Showrooms, Premium und WeddingDress. 51 Absolventen und Absolventinnen zeigen im HdKdW ihre Diplomarbeiten. Die Kollektionen werden von einer 23köpfigen internationalen und nationalen Jury bewertet. Auch ansässige Designerinnen, wie zum Beispiel Alexandra Fischer-Roehler und Bernadett Penkov sind in der Jury vertreten.
Der Saal füllt sich schleppend und die Begrüßungsreden von Dr. Bernd M. Scherer, dem Intendanten des Hauses und von Silvia Kadolsky, der Geschäftsführerin der ESMOD, werden um mehrere Minuten verschoben. Doch verständlich, wenn man bedenkt, dass im Publikum neben dem fachkundigen Interessierten, auch Familien, Freunde und Bekannte sitzen, die ihren Lieben beistehen und deren Kollektionen bewundern wollen. So wird eben gewartet, bis der Letzte seinen Platz findet. Die einstündige Show beginnt nach der Danksagung von Silvia Kadolsky an die Jury und Sponsoren.

Foto: Michael Wittig
Auch wenn sich manche Kollektionen etwas ähnelten und einiges nicht wirklich straßentauglich war, bleibt es bis zum Schluss spannend und sehr sexy mit Underwear für die Dame. Natürlich fehlt auch nicht die eine oder andere Männerkollektion. Doch ganz ausgefallen sind die Modelle von Alexandra Kohs. Sie unternimmt mit ihrer Modegestaltung einen Ausflug ins Märchenland und zeigt ein Vogel-, ein Bärkostüm sowie eine Art Puppenkostüm im Barockstil.
Ein Höhepunkt für mich und nach den Reaktionen zu urteilen, auch für alle Gäste, sind die Kinderkollektionen. Und nicht nur der gezeigten Mode wegen, sondern weil es putzig ist, den 3-6jährigen zu zusehen, wie sie über den Catwalk tapsen, verspielt winken und grinsen.

Foto: Michael Wittig
Unter großen Applaus verneigen sich dann die Designer und Designerin mit ihren Models. Ich bin mir sicher: den einen oder anderen Namen werden wir wieder hören!
Und mit den individuellen Endrücken der ESMOD Fashion Show, geht es für mich weiter nach Tempelhof. Dort erwartet mich ein ganz anderer Startschuss.

Foto: Michael Wittig
Hier im Flughafen findet die Opening Party der Bread & Butter statt. Als ich die Einladung zur Party bekam, fragte ich mich, „Was hat Fußball mit Mode zu tun?“ Doch klar, wenn die WM und die Messe zum gleichen Termin stattfinden ist es das Beste, dass Eine mit dem Anderen zu verbinden. Das ist dem Veranstalter Karl-Heinz Müller und seinem Team bestens gelungen. Und wenn morgen im Halbfinale unsere Elf spielt, erleben wir perfekt vereinigt zwei wunderbare Ereignisse. Schon beim Empfang in der alten Abfertigungshalle des Flughafens ergreift mich das Fußballfieber. Fans verschiedener Nationen sind auf Fotos über den ehemaligen Schaltern zu sehen. Und aus Lautsprechern grölen sie mir ihre Freudenschreie entgegen. Selbst das Personal der Opening Party ist in den verschiedensten Fußballuniformen gekleidet. Auf dem Weg zum Luna Park, welcher auf dem Vorfeld des Rollfeldes errichtet wurde, komme ich am Kids Camp und anderen Ständen der Bread & Butter vorbei. An manchen wird noch eifrig gebaut. Mit der Zeit drängen die Leute immer mehr in den Luna Park, um die Eröffnungsband „Sportfreunde Stiller“ nicht zu verpassen. Und um das Geschehen besser zu betrachten, gehe ich zu meinen Platz auf der Tribüne.

Foto: Michael Wittig
Neben mir haben sich die ersten Fans für Holland mit Rasseln und Trompeten eingefunden, da spielt die Band bereits ihren ersten Song. Es ist ein buntes Treiben zu beobachten und während der zweite Song ertönt, schließe ich die Augen und wippe mit dem Fuß zur Musik. Für einen Moment überkommt mich das Gefühl, die „Sportfreunde Stiller“ spielen nur für mich allein. Aber nach dem öffnen der Augen sind die andern 3000 Leute wieder da. Gemeinsam erfreuen wir uns an der Musik. Selbst der Kameramann, der die Band filmt, wippt im Rhythmus der Musik mit. Und während die Jungs ihren letzten Song spielen, gibt ein paar Meter neben mir Klaus Wowereit ein Interview. Als die Band die Bühne verlässt erhebt sich das Publikum zum begeisternden Applaus. Und als sie zur Zugabe zurück kommen und der Sänger ohne Begleitung ´54, ´74, ´90, 2006 zu singen beginnt, ist es um das Publikum geschehen. Es tobt. Pünktlich 20:30 beginnt das Spiel Holland gegen Uruguay und mein Herz fängt an zu hüpfen, als die holländischen Fans mit ihren Trommel ihre „Musik“ anstimmen.
Gestern stand bei der Bread & Butter Opening Party der Fußball im Vordergrund, doch heute ab 8.00Uhr wird sich alles um Fashion drehen...
>>zur Fotostrecke der Bread&Butter Opening Party
01. Juli 2010:
Die Ruhe vor dem Sturm
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Ein wenig versteckt liegt die yab-academy* in einem Kreuzberger Hinterhof. Ein neongrüner Treppenaufgang führt zu einer schweren Metalltür. Vor dem öffnen bereite ich mich innerlich schon vor, in ein arbeitsames, hektisches und fleißiges Gewusel einzutauchen. Und wer schon einmal Backstage bei einer Fashion Show war oder auch nur eine Reportage dazu im Fernsehen erlebt hat, weiß, dass die Atmosphäre normalerweise zum Platzen gespannt ist. Doch scheint dies nur einzutreffen, wenn es kein wenn und aber mehr gibt. Doch dies ist hier nicht der Fall. Hier in der yab-acadamy finden die diesjährigen Look-Proben für jegliche Designer statt, die bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin vertreten sind. Insgesamt eine Woche werden sich der Head of Make up, Boris Entrup und Head of Hair, André Märtens mit den Designern besprechen und beraten, was kommende Woche auf der Fashion Week zu sehen sein wird. Weit und breit ist keine Unruhe zu spüren. Es herrscht eine ausgelassene und konzentrierte Stimmung. Wie die Ruhe vor dem Sturm.

Boris Entrup, André Märtens und Guido Maria Kretschmer
mit Model (v.l.n.r.)
Foto: Michael Wittig
Jetzt stehe ich in den offenen, großen und lichtdurchfluteten Räumen, in denen es eine Fotostudioecke und 8 Spiegeln gibt, an denen sonst die angehenden Make up-Artisten und Hair-Stylisten an ihrer Arbeit feilen. Hier kann ich den Kreativen der Lookprobe beim Styling zuschauen. Die Gelassenheit, die ich verspüre, setzt sich in jedem Moment fort. Und es ist bemerkenswert, wie Boris Entrup und André Märtens dieses Pensum mit einer Leichtigkeit und Hingabe bewältigen.
Gerade
vollendet André Märtens den James Dean Look für die Models des
Designers Kilian Kerner, da kommt schon der Designer Guido Maria
Kretschmer.
Fliegender Wechsel. Während Kretschmer Boris Entrup
erklärt, welche Vorstellung er vom Make up hat, bekomme ich das Gefühl,
einer Inszenierung beizuwohnen: so sinnlich und detailgetreu
definiert der Designer seine Vorstellungen.

Guido Maria Kretschmer
Foto: Michael Wittig
Fliegender
Wechsel, so wird es noch einige Mal sein, bis es dann heißt:
Fashion Week!
Und ich hoffe, dass sich nächste Woche - wenn es kein
wenn und aber mehr gibt - sich die Gelassenheit der Lookprobe
bezahlt macht und der Sturm ausbleibt.
Anmerkung d. Red.:
*Die
yab-academy ist eine „MakeUp Artist und Hair-Stylist Schule“ und
bildet in den Bereichen Make Up Artist, Hair Stylist & Hair
Design aus.
Im Netz unter www.yab-academy.de
Text: Simone Geißler
Fotos: Michael Wittig
Linktipp:
- Tagesaktuelle Berichte, Fotostrecken, Interviews und vieles
mehr finden Sie auf unserer Sonderseite zur Fashion Week Berlin:
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Ausgabe Juli 2010



