Text: Cornelia Liese
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Ausgewählte Werke von Irving Penn, einem der bekanntesten Photographen des 20. Jahrhunderts, zeigt noch bis zum 23. Juni die Galerie Camera Work. Die Akte, Porträts, Ethnographische Studien, Stillleben sowie Reise- und Modephotographien des 1917 geborenen Amerikaners werden mittlerweile zu Höchstpreisen gehandelt.
Zu
sehen gibt es nichts Neues –
dafür einige der bekanntesten und wichtigsten Klassiker. Berühmt
ist Irving Penn für seine einfache, aber auffallende und elegante
Modephotographie, die das Modell in den Vordergrund stellt. Seine
Stilmittel: Tageslicht-Studios, ein neutraler Hintergrund und der
Verzicht auf üppige Arrangements.
Richtungsweisende
Modephotographien
Das
„Cafe in Lima“, eines seiner berühmtesten Bilder aus dem Jahr
1948 gilt als ein Wendepunkt in der Modephotographie. Ein junges
Paar sitzt in einem Straßencafé. Die gut angezogene Dame mit Hut
scheint ein wenig gelangweilt und müde, spielt gedankenverloren mit
ihrer Kette und hat die Schuhe abgestreift. Die Beine sind grazil,
aber undamenhaft lang ausgestreckt. Was so beiläufig und natürlich
wirkt, ist durch harte Arbeit entstanden.
Erst nach tagelangen
ergebnislosen Streifzügen durch Perus Hauptstadt - bei denen Penn
zwar ausgiebig Land und Leute, nicht aber die Mode ablichtete –
und als vermutlich nicht nur das Modell Jean Patchett entnervt und
frustriert war, drückte Penn endlich auf den Auslöser. Eine neue
unprätentiöse Stilrichtung der Modephotographie war geboren. Nicht
nur mit dieser Aufnahme prägte Penn als langjähriger Photograph
der Vogue das Ideal von Mode und Schönheit.
Faszination
Mensch
Neben
dem ästhetischen Aspekt legte Irving Penn ebenso großen Wert
darauf, die menschliche Seite seiner Modelle zu zeigen. Ein Beispiel
ist „Woman with Roses“, eine Aufnahme des schwedischen
Mannequins Lisa
Fonssagrives-Penn, der Frau des Künstlers.
Ganz im
Gegensatz zu der Glamourwelt der Modephotographien stehen die Bilder
und Reportagen über fremde Völkergruppen, die Penn seit Ende der
40er Jahre auf seinen Reisen photographierte. In Peru war er von
„kleinen und
kompakten“ Quechua-Indianern fasziniert. Er war nach Abschluss der
Modeaufnahmen in Lima Ende Dezember 1948 allein in das entlegene
Dorf Cuzco, in den Anden gereist. Dort überredete er den
Dorfphotographen, ihm sein Studio zu vermieten. In dem im
viktorianischen Stil eingerichteten Tageslichtstudio porträtierte
er einige Tage lang die Familien und Kinder der Quechua Indianer.
Dramatische
Inszenierungen
Künstler
wie Picasso (1957) ließen sich von Penn ebenso ablichten, wie die
schönsten und berühmtesten Frauen der Welt: Models wie Isabella
(1960), Veruschka (1963) und Naomi Campbell (1994). Im
Auftrag der Vogue entstand auch die Aufnahme von Sophia Loren
(1959). Penn äußerte sich begeistert über den schönen warmen
Teint der Schönheit aus Neapel und näherte
sich dem Modell bis auf wenige Zentimeter, um alle Details
genau aufzunehmen: Das helle
ebenmäßige perfekt geschminkte Gesicht mit dem Schönheitsfleck
auf der Wange, den vollen Lippen, betonten Katzenaugen und den kräftigen
Brauen kontrastiert dramatisch mit einem überdimensionalen
schwarzen Hut.
Am
Anfang seiner Karriere, in den 40er Jahren nutzte er in seinem
Studio in Manhattan oft zwei Aufstellwände, die im spitzen Winkel
zueinander gestellt wurden und den Porträtierten „einzwängten“.
Dadurch wollte er erreichen, dass seine berühmten Modelle auf eine
Ebene mit ihm gestellt werden. Wie in der Ausstellung zu sehen ist,
gab es hierauf die unterschiedlichsten Reaktionen der Porträtierten.
Einige nutzen die Wände für sich, wie Truman Capote (1948), der
auf einem Stuhl kniend sich gegen die Wand lehnt.
Stillleben
und die Ästhetik des Hässlichen
Von
Anfang an war Penn vom Genre des Stilllebens begeistert. Penn
studierte zunächst von 1934 bis 1938 Design an der Philadelphia
Museum School for Industrial Art unter Alexej Brodowitch, der ihn später
als Assistenz-Zeichner und Art Designer für den Harpers Bazaar
beschäftigte. 1940 begann er für die Vogue zu arbeiten. Obwohl er
eigentlich nur für den Entwurf von Titelseiten zuständig war,
photographierte er 1943 sein erstes eigenes Vogue Cover – ein
Stillleben.
Wie
im Obergeschoß zu sehen, fügte Penn in den 70er Jahren Memento
Mori Objekte ein und fotografierte auch Müll wie Zigarettenkippen
und Schachteln in der gleichen Art wie das traditionell Schöne mit
beeindruckender Lichtführung. In diesen alltäglichen Dingen
entdeckte er die Ästhetik des Hässlichen. Gefrorene Lebensmittel
inszenierte er in intensiven Farben und den aufwendigsten
fotografischen Verfahren. Mit diesen monumentalisierten
Alltags-Objekten schuf Penn eine moderne Form des
Vanitas-Stilllebens und reihte sich damit in die lange Tradition der
Alten Meister ein.
Die
Arbeiten von Irving Penn finden sich heute in den bekanntesten und
wichtigsten Photosammlungen weltweit, wie das Museum of Modern Art,
das Metropolitan Museum of Art oder das Victoria and Albert Museum in
London.
(Öffnungszeiten Di – Sa 11.00 – 18.00 Uhr)
Photogalerie
Kantsstr. 149, 10623 Berlin-Charlottenburg
Im Internet: www.camerawork.de
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Ausgabe Mai 2007


