Text: Cornelia Liese
Fotos: modekultur.info
Hauptsache Hut!
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„Mach bitte
noch die Nähte fertig, ja!“ |
Vor zwanzig Jahren hat Fiona Bennett den Beruf für sich entdeckt, heute fällt ihr Galerie-Geschäft in Berlin Mitte in der Großen Hamburger Strasse 25 (Foto oben) sofort ins Auge: die Wände sind mintgrün und fliederfarben gestrichen, die Modellhüte stehen wie Kunstwerke mit Namen versehen in kleinen Nischen. Die britische Hutmacherin wollte ursprünglich Bildhauerin werden: „Ich wollte gestalten, mit den Händen und schönen Materialien. Dann habe ich das Hutmacherhandwerk in Berlin kennen gelernt und diesen Beruf für mich entdeckt“, erklärt die Trendsetterin. Mittlerweile hat sie selbst Auszubildende und Mitarbeiterinnen. „Ich arbeite am liebsten mit Federn“, erklärt sie und weist auf Hahnenschlappen, in Form geschnitten und eingefärbt in rot, pink und schwarz. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Schuhe, wie einst Schiaparelli, Mini-Zylinder, Früchte und Vögel, um nur einige Hutformen zu beschreiben. Auf Englisch heißen diese Hüte „Fascinators", weil sie auf schöne Art und Weise die Aufmerksamkeit anziehen. Große Hüte gibt es zwar auch, aber die meisten Frauen wollen etwas Kleines, das sie auch in die Tasche oder ins Gepäckfach des Flugzeuges stecken können. „Die kleine Erdbeere ist schon eher für Fortgeschrittene", sagt Fiona Bennett. Ähnliche Modelle tragen zurzeit Moderatorinnen im Fernsehen oder Popstars auf der Bühne. Befreundete Künstler, wie Ben Becker oder Flatz kommen ebenso in das Geschäft, wie Christina Aguilera oder Frau Kasupke, die ein neues Hutband braucht. „Auch viele junge Mädchen kommen", sagt die 40jährige Hutmacherin, „die wollen dann den Look der Stars probieren.“ Im Atelier, das hinter den Geschäftsräumen verborgen liegt, wird gerade an der neuesten Kollektion gewerkelt: Gentle Men. Anlässlich der Kunstmesse Artforum Ende September wird das Geschäft mit den neuen Herrenmodellen dekoriert.
Der Trend geht zum Herrenhut
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Dass immer mehr Männer Hut tragen, kann auch Andrea Curti, Modistin und Inhaberin von Chapeaux (Foto rechts) bestätigen. Männerhüte liegen allerdings auch bei den Damen im Trend. Gern etwas zu groß und ins Gesicht gezogen. Die gibt es in dem Geschäft in der Bleibtreustrasse 51 natürlich ebenso, wie lässige Kappen, dekorierte Haarreifen, Mini- und Maxi-Hüte. |
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Gerade die kleinen Modelle erscheinen alltagstauglich und sehen auch zu einem Hosenanzug und modischer Kleidung gut aus. „Entscheidend ist, dass der Hut zum Typ, den Körperproportionen und zum Gesicht passt“, erklärt Andrea Curti. Zielsicher und mit Augenmaß setzt sie mir ein paar Hüte auf. Der Effekt ist frappierend. Hüte verändern den Typ unglaublich stark. „Manche Frauen wissen ganz genau was ihnen steht, andere brauchen mehr Beratung. Das hat viel mit Erfahrung zu tun, die allerdings den meisten Frauen heute fehlt!“ sagt die 48jährige Modistin, die bei Günther Baumbach, dem letzten Berliner Innungsmeister, gelernt hat. Seit den 1960er Jahren gehören Hüte nicht mehr zum Alltag. Besondere Anlässe wie Pferderennen oder Hochzeiten einmal ausgenommen. Dabei ist der Wunsch sich zu schmücken so alt wie der Mensch selbst. Mehr Mut zu Farben und Lust am Dekorativen wünscht sich die Hutmacherin, die ihr Geschäft seit 14 Jahren erfolgreich führt. In ihrer Werkstatt stapeln sich unzählige Holzformen. Diese stammen aus einem Nachlass aus Wien. Andrea Curti holt eine geschwungene hölzerne Hutform aus dem Wandregal. Über solche Modelle zieht sie und seit neuestem auch eine Auszubildende die Hüte. Für den Winter ist Filz das klassische Material dafür.
Klassische Handwerkskunst
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In der Bleibtreustrasse 40 liegt ein weiteres Hutgeschäft (Foto links): ein kleines Schild mit der Aufschrift „Hüte“ hängt über dem Eingang in der Mommsenstrasse. Susanne Gäbel ist Meisterin des Modisten-Handwerks. Sie hat in Hamburg bei Gerda Wessinger, die auch Inge Meysel ausstaffiert hat, gelernt und arbeitete zeitweise in Paris für die Modenschauen von Thierry Mugler und Sonya Rykiel. |
„Das ist eine Ehre, reich wird man davon jedoch nicht!“ sagt die Hutmacherin, die selbst höchstens im Winter eine Baskenmütze trägt. Edle Klassiker sind das Markenzeichen von Susanne Gäbel, ihre Kundinnen wissen das zu schätzen. Das, was viele Frauen gar nicht mehr können oder überhaupt nicht mögen, ist Susanne Gäbels Stärke: „Ich nähe einfach gern!“ Stolz zeigt sie die Nähte, deren Stiche man fast gar nicht sieht. Handwerkliche Perfektion! Die Kundinnen wissen, was sie an Susanne Gäbel haben und kommen auch aus Niedersachsen angereist. Gerade bei Adelshochzeiten wird häufig Wert auf Hut gelegt. Passend zum Chanel-Kostüm empfiehlt die Modistin dann beispielsweise einen Pill-Box-Hut im Stil von Jackie Kennedy, jedoch zeitgemäß interpretiert. Große Glocken, wie von Audrey Hepburn getragen, im Stil der 1950er Jahre oder Glockenhüte, wie in den 1920er Jahren, werden ebenfalls gern gekauft. Natürlich wird im Hut-Salon alles individuell angepasst, geändert und bei Bedarf gereinigt. Die Modistin blättert durch ihr Look-Book: Für den Winter sind dort Ohrenwärmer aus Nerz und eine große Auswahl an dekorativen Mini-Hüten abgelichtet. „Zur Ballsaison, zu einem festlichen Kleid, gehört auch ein Hut“, meint die 37jährige. Die wichtigsten Trends sind auch hier Herrenhüte und unkomplizierte kleine Modelle.
Pferderennen – also doch
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Ähnlich sieht es auch Zussa, die ihren kleinen gleichnamigen Salon (Foto rechts) in Berlins zweitem Galerienviertel, der Zimmerstrasse hat. „Ich mag es, mit wenig viel zu erreichen“, sagt die Berliner Hutmacherin, die ihr Handwerk bei Fiona Bennett gelernt hat. In dem kleinen Salon mit der Adresse Friedrichstrasse 206 bildet sie jetzt ebenfalls aus. |
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„Schnittige Formen“, zum Beispiel eine Herrenform, die mit femininen Details wie Spitze und Blüten verziert ist, gibt es in dem kleinen Geschäft ebenso, wie Kopfschmuck aus schwarzem oder goldenem Lackleder in stilisierten Formen der 1940er Jahre. Zuletzt hat sie im August dieses Jahres die Wild Rose Revue im Admiralspalast mit filigranen Kopfbedeckungen ausgestattet. Feder-Accessoires oder Mini-Zylinder geben dem Outfit das gewisse Etwas. „Oft reicht auch nur ein kleiner Haarclip mit Federn oder Blüten, um ein ganzes Outfit zu veredeln und die Blicke auf sich zu ziehen“, sagt die Berlinerin. Zu ihren wichtigsten Stamm-Kundinnen gehören Deutschlands bekannteste Societyladys und Rennstallbesitzerinnen. Nur ein knappes Dutzend, die jedoch regelmäßig für Pferderennen, wie die Highlights des Galoppsports (Deutsches Derby, Royal Ascot und Deauville) neuen und ausgefallenen Kopfschmuck benötigen. Jährlich veranstaltet Zussa deshalb im Brenner’s Parkhotel in Baden-Baden einen Hut-Salon, bei dem sie ihre neuesten Ideen vorstellt. Das ein solcher Modellhut mehr kostet als Stapelware aus dem Kaufhaus versteht sich von selbst; ein bis zwei paar gute Schuhe könnte man dafür kaufen. Die besonders ausgefallenen und extravaganten Hüte sind im Salon allerdings nicht zu sehen, hier gibt es stattdessen eine große Auswahl luxuriöser und schmückender Kleinigkeiten und schon die ersten wärmenden Kappen für den Winter. „Was modisch gesehen übrigens gar nicht mehr geht, sind Aufschlaghüte im Stil von Lady Di", sagt Zussa - „Ansonsten ist die Wahl des Hutes Typfrage und Geschmacksache: Hauptsache Hut!"
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