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Text: Anna Lucht |
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Im Atelier von Friederike Fiebelkorn
Traut Euch mehr! Der Designer als Befreier.
Hochzeitskandidaten wollen selbst in Berlin immer dasselbe: ein
schlichtes Kleid. Der Mann – Fragezeichen. Hochzeitskleidung lädt
in der Vorstellung wohl nicht zu Experimenten ein. Und was ist mit
Mode und Trend? Ist das hier unpassend? Berliner Designer antworten.
Opulente Schönheit
Granatrot mit schwarzer Spitze, Türkis- und Lindgrün, Rosé,
Hellblau, oder frisches Goldgelb, das sind die Farben der maßgeschneiderten
Kleider im Atelier Friederike Fiebelkorn am Olivaer Platz 17.
Farblich geht’s hier rund. Weiße Kleider jedenfalls gab es in den
über zehn Jahren im Atelier nur fünfmal. Die Linie ist „sehr
weiblich“ und für „erwachsene Frauen“. „Barbiekleidchen“
sind nicht zu finden. Den Wunsch des schlichten Kleides übersetzt
sie so: „Bräute wollen nicht aussehen wie Sissi und sie wollen
keinen Reifrock.“
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Die Modelle, die im geräumigen Showroom auf Puppen oder an der Stange hängen, sind atemberaubend schön. Die Designerin, Schnittkonstrukteurin und Schneiderin macht für die Braut „das schönste Kleid des Lebens“. Ein Blickfang unter vielen anderen ist ein zartes, hellblaues Seiden-Kleid mit eingearbeitetem weißem Filz. |
Durch die Einarbeitung des nassen Filzes in den Stoff per Hand
bekommt dieses Kleid einen Hauch von Patina und sieht aus, als sei
es wahrhaftig einem Traum entsprungen.
Manchmal entsteht die Form komplett am Körper. Ein Kleid ist so
geschickt drapiert, dass es keine Seitennaht braucht! An einer Puppe
hängt ein kleines, helles, kurzes, figurbetontes Stretchkleid mit
einem kleinen Fleckchen Spitze und Strasssteinchen. Ein zartes Jäckchen
aus dem gleichen Stoff ziert die Schultern. Es ist ein preisliches
Experiment. Ist es möglich, ein Kleid nach Maß für 400 Euro
herzustellen? Das Stretchkleid ist das verblüffende Resultat. Die
Passform verzaubert meist nicht nur die Braut, sondern auch die
Freundin, Schwester oder Mutter. Dann entsteht zusätzlich
beispielsweise ein elegantes und sehr geschmackvolles grau-weiß
kariertes, eingesäumtes Kostüm.
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Woher nimmt Friederike Fiebelkorn ihre Inspiration? „Viele Anregungen kommen von der Kundin selbst.“ Dass hier genau auf die Wünsche und den Typ der Braut eingegangen wird, ist zu spüren. Schon die fertigen Modelle sind sehr unterschiedlich. Ideenreich und kreativ werden Narben und Tattoos durch gedrehten Organza oder Drapage und besondere Linienführung so verdeckt, dass der Blick auf anderes gelenkt wird. |
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Da das Budget der (Berliner) Brautleute nicht immer strapazierfähig
ist, setzt Frau
Fiebelkorn den maximalen Endpreis (zwischen 400 und 1500 Euro)
gleich beim zweiten Besuch fest. Und bei diesem Preis bleibt es
auch. Natürlich kam es auch schon vor, dass ein Kleid teurer wurde
aufgrund zusätzlicher Stickereien oder anderer aufwendiger Näharbeiten.
Solche weiteren Arbeitsstunden kommentiert Frau Fiebelkorn lapidar:
„Das war dann für die Kunst.“ Das Brautkleid solle wunderschön
sein, dürfe aber keine Kreditaufnahme veranlassen. Drei bis vier
Monate dauert der ganze Prozess vom Maßnehmen, Entwerfen, der
Anprobe aus Baumwolle, des Absteckens und Nähens. Allerdings
gab’s auch schon mal einen Rekord: Friederike Fiebelkorn stellte
ein Kleid mit Spitze innerhalb von 24 Stunden fertig!
Cremefarbene Eleganz
Chiton ist ein kleines Atelier in der Goltzstraße 12. Friederike und Robert Jorzig führen es seit 13 Jahren. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft verfolgte über die Jahre die Kollektionen durchs Schaufenster, und als sie selbst reif dafür war, ließ sie ihr Kleid bei Chiton machen: „Ich musste zu Euch kommen.“
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Das Sortiment ist farblich in Creme, Champagner und Eierschalen und 70 % der Kleider sind in gebrochenem Weiß gehalten. Grün, Pastell oder ein kräftiges Rot sind fürs Standesamt gedacht. |
Rot
wurde ein Kleid auch mal durch Brombeersaft einer Kundin, den diese,
sich umwendend versehentlich auf ein frisch gefertigtes Kleid
kippte. Mit Tricks stellte es Frau Jorzig dennoch rechtzeitig in der
gewünschten Farbe fertig.
Selbst in der Hochsaison (Mai bis September) kann ein Kleid
innerhalb von drei Monaten nach Maß gefertigt werden. Die Kleider
sind tailliert, mit langem Rock, mal mit Schleppe, mit Spitze oder
Schleife, mal dekolletiert, mal mit langem Arm und eher bedeckt. Auf
gute Linienführung wird besonders geachtet. Verwendet wird edle
Seide aus England, Frankreich, Italien und bestickte Seide aus
Asien.
Und der Trend? „Wir probieren, den Zeitgeist aufzunehmen, was sich
dann in der Silhouette spiegelt.“ Die Linie bleibe gegenwärtig am
Körper. Durchschnittlich kostet ein Kleid 1100 bis 2000 Euro.
Traut euch!
Das möchte man allen, nicht nur den Brautleuten zurufen. Vivienne Westwood hätte ihre Freude. Geht zu Kaska Hass in die Fabriketage in der Anklamer Straße 38 und lasst euch ins passende Kleid stecken! Bei „Trauteuch“ wird nicht nur die Braut herausgeputzt, sondern das Paar.
Beide werden ins rechte Licht gerückt.
Und das berlin-gerecht auch nicht nur Sie & Er, sondern auch Sie
& Sie und Er & Er. Endlich bekommt auch der Mann die
Aufmerksamkeit, die er verdient. Es rockt nur so los in ihrem
Atelier mit 50 bis 60 verrückten Outfits. Kaska Hass hilft dabei,
„sich selbst zu zeigen und nicht in Verkleidung zu verfallen“.
Unterstrichen werden soll jeweils die Persönlichkeit. Wie beim
Theaterkostüm arbeitet sie mit den Protagonisten eine
Charakterrolle heraus.
Weiß oder cremefarbig sind ihre Kleider fast nie. Qualität bleibt
nicht auf der Strecke: Alle Stoffe sind Haute Couture-Stoffe.
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Die Kosten für die luxuriöse Lässigkeit liegen bei 800 bis 1000 Euro aufwärts. |
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Ein durchsichtiger Spitzenanzug mit einem wilden, knappen
Korsagenkleidchen darüber ist schon mal zur Trauung nach Marokko
gereist und sorgte dort für Aufsehen. Mitreißend ist eine
kombinierbare Hose, die in weiten Bögen wie eine Blume aufspringt
und an die Werke der Designerin Rei Kawakubo von Comme des Garçons
erinnert.
Offene Kunden aus nahezu allen Altersgruppen kommen teils vom
Theater, teils aus der Regierung - und von überall her. Die Entwürfe
schickt Kaska Hass per E-mail. So können sie in Ruhe und ohne
Beisein der Designerin ausgesucht werden, bevor diese den Schnitt
konstruiert und ihn zu den Schneiderinnen nach Charlottenburg gibt.
Und dass was dabei herauskommt, ist sicher!
Der Liebesbeweis - Ein Juwel fürs Juwel.
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In der Trauringschule Lalibela, dem Goldschmiede-Atelier
von
Susanne Ziegler in der Ackerstr. 19, steht ein Werktisch, an dem sich |
Und das haben bisher alle
geschafft, auch wenn es vorkam, dass die Ringe erst nachts fertig
wurden. Deshalb liegt der Trauringtag auch meistens auf dem
Wochenende.
Sollen Gold oder Edelsteine dazukommen, gibt es nach einem
Kostenvoranschlag einen Aufpreis. Die Goldschmiedin und
Restaurateurin Susanne Ziegler greift nur ein, wenn’s nötig wird,
wenn sich jemand zu viel vorgenommen hat. Aber „das ist
individuell unterschiedlich, meistens zeige ich, wie man richtig sägt.“
Die Gestaltung ist Geschmacksache. „In diesem Fall sehe ich mich
als Handwerker.“ Frauen sind häufig etwas ehrgeiziger und
beobachten, was der Partner macht: „Das wird meiner, mach den schön!“
Natürlich gab’s auch schon gleichgeschlechtliche Paare. Oder
einen Heiratsantrag vor der Werkbank mit der Überraschung, den Ring
gleich selbst zu fertigen.
Ein Probemodell wird zunächst aus Silber angefertigt, damit der
Ring am Finger liegt, die Passform gefühlt und gegebenenfalls
korrigiert werden kann. Es wird jeweils nur ein Paar betreut, denn
auch das gewährleistet die Individualität. Häufig halten die
Paare nach dem Happy End ihre Ringe hoch und rufen freudig und
erstaunt: „Die sehen ja aus wie gekauft! So perfekt!“ Das ist
zwar nicht so ganz das Ziel von Susanne, denn es geht ja gerade um
die Unikate, die nicht von der Stange zu kaufen sind, aber dennoch
ist es auch ein schönes Kompliment.
Himmel über Berlin!
>>Reportage als Audiofile anhören
(mit begleitenden
Bildern)
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Veranstaltungen:
Vom 09. bis zum 11. November findet die Messe
HochzeitsWelt täglich von 10 bis 19 Uhr in Berlin auf dem
Messegelände unter dem Funkturm statt (Eingang Nord/Masurenallee,
Halle 21-22).
Im Internet: www.berlinhochzeit.de
Buchtipp:
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Vorschau:
In unserer Dezember-Ausgabe 2008 erwartet Sie unsere Reportage über
Schmuckdesign in Berlin...
Email an: Leserbriefe@modekultur.info
Ausgabe November 2007













