Text: Viola B. Haderlein-Hadjam
Foto: Benedikt Altschuh, www.photocase.de
Dass
es sich bei dem Phänomen "Vintage" nicht einfach
nur um "Second Hand" handelt, erkennt man vor
allem am Preis. Während Produkte aus zweiter Hand vor allem
billig sein sollen, wird mit "Vintage"-Mode ein
exklusives Lebensgefühl verkauft.
"Vintage" (engl. für "alt",
"erlesen") bezeichnet ausgesuchte
Lifestyle-Klassiker des vergangenen Jahrhunderts aus fast
allen Designbereichen wie Kleidung und Accessoires,
Interieur und Autos. Der Preis wird bestimmt von Alter,
Zustand, Marken-Image und Stückzahl; Einzelstücke oder
limitierte Auflagen sind am begehrtesten.
Zur Historie: Die Modebranche benutzte "Vintage"
oder "Used Look" in den Neunzigern zunächst als
Bezeichnung für neue Oberflächen-Behandlungen von Jeans.
Später schufen Designer wie Marc Jacobs und Miucca Prada
mit ihren erfolgreichen Retro-Kollektionen die Vorgabe für
den "Vintage Style", einem gekonnten Mix aus
Designer-Couture und authentischen Originalen. Trendsetter
wie Kate Moss und Sienna Miller schwören auf Vintage. Denn
mehr noch als gutes Styling sind Vintage-Modelle eine Art
Versicherung für den exklusiven Auftritt: Als Reese
Witherspoon bei der Oscar-Verleihung 2006 in einem
40.000-Euro-Kleid von Dior aus dem Jahr 1955 erschien,
konnte sie sicher sein, als einzige in dieser Robe zu glänzen.
Die Vorstellung, ausgerechnet die Konkurrentin könnte im
gleichen Kleid auf dem roten Teppich erscheinen, ist für
viele Stars dieser Größenordung ein Albtraum.
Vintage transportiert das Lebensgefühl früherer
Jahrzehnte, und das hat seinen Preis: Klassiker mit hohem
Wiedererkennungswert wie die Birkin Bag von Hermès, das berühmte
Chanel-Kostüm, Ossie Clarks bunte Chiffonkleider und
Pucci-Kleider aus den Siebzigern sind besonders gefragt.
Selbst eine Levi’s 501 Jeans aus den 40ern bringt es heute
auf stolze 25.000 US-Dollar. In den Modemetropolen durchstöbern
Fans und Designer Archive und Boutiquen auf der Suche nach
Raritäten. Auktionshäuser wie Sotheby’s mit eigenem
Fashion-Department und ebay profitieren weltweit vom
Vintage-Boom.
Die große Nachfrage nach den Vintage-Modellen einiger
renommierter Modehäuser führte sogar zum erfolgreichen
Relaunch ihrer Kollektionen. Als "New Vintage
Labels" erleben sie eine regelrechte Renaissance. So
ist der Erfolg der Pucci-Kleider mit dem typischen Print ein
Grund dafür, dass das Modehaus heute wieder erfolgreich im
Modezirkus mitmischt. Auch Courrèges (Trapez-Minikleider im
Future-Look der Sixties), hat sich neu erfunden. Die
Neuauflage einiger Kollektionen ist allerdings inzwischen so
gut, dass man kaum noch zwischen Original und
New-Vintage-Modell unterscheiden kann.
Der Vintage Trend ist nach wie vor ungebrochen. Das zeigt
auch die aktuelle Wiederbelebung einer aussergewöhnlichen
Mode-Legende: Das Londoner Kult-Kaufhaus BIBA orientierte
sich bereits in den 70ern an früheren Modeepochen und bot
neben der eigenen Kollektion edle Second-Hand-Mode an. Nach
über 30 Jahren kommt nun im Sommer 2007 die erste neue BIBA
Kollektion auf den Markt.
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Ausgabe März 2007





