Text: Viola B. Haderlein-Hadjam

Foto:
Andreas Metzner Photocase
Zu den "Waffen der Frau" gehören zweifellos auch die
hochhackigen Schuhe. Der High Heel (Hoher Absatz/Ferse), bei uns
auch Stöckelschuh oder Stiletto genannt, definiert sich ausschließlich
über die Absatzhöhe, die von 9 cm bis zu 14 cm reichen kann. Das
Laufen in High Heels erfordert von der Trägerin nicht nur souveräne
Standhaftigkeit unter schwierigen Bedingungen, sondern der Kult hat
auch seinen Preis: Blasen, verformte Fußballen und nicht selten
vierstellige Euro- oder Dollarbeträge.
Der High-Heel-Hype entstand in den 70er Jahren in Amerika. Bianca
Jagger hauchte dem Kult Leben ein, als sie auf den ersten
"Manolo Blahniks" ins legendäre Studio 54 stöckelte.
Fortan gab es kein Halten mehr. Schuhdesigner kreierten immer
gewagtere Modelle, je mehr Haut zusehen war, umso sexier sahen sie
aus. Die Höhe bleibt das Entscheidende; sie streckt das Bein, lässt
es länger aussehen. Der Gang wird leicht wippend und wirkt elegant,
was den High Heel für öffentliche Auftritte oder auf dem Laufsteg
zu einem inzwischen unentbehrlichen Accessoire werden lässt.
Absatzhöhen jenseits der 14 cm (bis zu 28 cm) dienen nicht mehr der
Fortbewegung und werden dem Schuhfetischismus zugeordnet. Die
Psychologie bescheinigt den Trägern von hohen Schuhen, eher führen
zu wollen als zu folgen, selbst wenn sie damit nicht laufen können.
Designerin Vivienne Westwood hat sich auf besonders hohe
Plateauschuhe spezialisiert. Ihre schwindelerregenden Stelzen mit
einer stattlichen Absatzhöhe von 20 cm brachten 1996 sogar das
Super-Model Naomi Campbell bei einer Modenschau zu Fall. Die Höhe
des Absatzes gibt genügend Freiraum für die verrücktesten Ideen
der Designer: Dicke oder dünne Absätze aus Leder, Metall, Holz,
Kork, Plastik oder Lack gibt es ebenso wie diamantbesetzte Absätze.
Auch den Absatzformen sind kaum Grenzen gesetzt. Barockabsatz,
Kommaabsatz, Zigarettenabsatz, kugelförmig, pyramidenförmig –
das sind nur einige Beispiele.
"Hohe Absätze vermitteln Stolz und Selbstgefühl, sie sind das
Passepartout der Dekadenz", weiß Karen Heller, amerikanische
Kolumnistin und Pulitzer-Preisträgerin. Wer heute hochhackige
Schuhe trägt, will also ganz klare Signale aussenden – und
erreicht damit zweierlei: Zum einen die Aufmerksamkeit einer nicht
unwesentlichen Menge an Zuschauern, von bewundernd bis mitleidig;
zum anderen trägt, wer sich bewusst auf hohe Hacken schwingt, ein
erhobenes Selbstwertgefühl, gepaart mit einem Hauch von Luxus und
Sexappeal.
Aber Achtung: Das Selbstbewusstsein ist ganz schnell am Boden, wenn
man sich versucht nonchalant wieder aus der Froschperspektive
erhebt, weil man mit dem 12-cm-Hacken im Kopfsteinpflaster hängen
geblieben und umgeknickt ist.
Linktipp:
Der Sturz von Naomi Campbell ist im Bild festgehalten und anzusehen
im Katalog zur Vivienne-Westwood-Ausstellung im Jahr 2006 im NRW
Forum. Mehr...
...oder auch im www bei art-perfect.de. Mehr...
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Caroline Cox: Stiletto. Edition Skylight, 1.
Aufl. 2004. In englischer Sprache. Dieses Buch ist bei unserem Verkaufspartner Amazon erhältlich. |
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Linda O'Keeffe: Schuhe. Eine Hommage an Sandalen, Slipper, Stöckelschuhe. Verlag Könemann 2005, 510 Seiten. Broschiert. |
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Mona Sharma: Schuhmanie. Lappan Verlag, 64
Seiten. 9,95 Euro. Dieses Buch ist bei unserem Verkaufspartner Amazon erhältlich. |
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Christine Ellinghaus und Sylvia Bieker (Hg.):
Schuhe. Kleine Philosophie der Passionen. Dtv 1999. Dieses Buch ist bei unserem Verkaufspartner Amazon erhältlich. |
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Ausgabe Februar 2007





