Text: Cornelia Liese
Unsere Autorin berichtet über die Ausstellung, die vom 29.03.
bis zum 02.09.2007 in der Deutschen Kinemathek im Museum für Film
und Fernsehen im Berliner Sony Center stattfindet.
Kleider
machen Leute – sagt man. Welche Bedeutung Filmkostüme für einen
Film haben, zeigt die Ausstellung „Filmkostüme! Das Unternehmen
Theaterkunst“ im Museum für Film und Fernsehen in Berlin, die in
Kooperation mit dem Museum der Arbeit Hamburg vierzig Originalkostüme
aus dem Fundus der Firma Theaterkunst zeigt. Neben den bezaubernden
Filmoutfits und passenden Filmausschnitten bietet der Rundgang
interessante Einblicke in die kreative Arbeit der Kostümbildner und
weiterer Filmberufe sowie unzählige Accessoires und Dokumente aus
der hundertjährigen Firmengeschichte.
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Die
Schöne Lügnerin |
Die
Präsentation ist wie eine Reise durch 500 Jahre Kostümgeschichte:
Sie beginnt bei der grauen Mönchs-Kutte, die Joseph Fiennes (2003)
in „Luther“ trug und endet bei einem gewagten 70er Jahre Outfit
à la Uschi Obermayer aus dem neuesten Streifen „Das Wilde
Leben“ (2007). Für Film- und Kostümbegeisterte gibt es
dazwischen viel zu entdecken. Romy Schneiders Gewänder in Größe 0
aus „Die Schöne Lügnerin“ (1959) und „Mädchen in Uniform“
(1958) - so puppenhaft
und zierlich wie sie sind - stechen im ersten Raum aus der Präsentation
hervor. Im Fundus fanden sie wegen der Untergröße keine zweite
Verwendung, heute gehören sie deshalb zu den am besten erhaltenen
Stücken.
Anlass
der Ausstellung ist das Hundertste Jubiläum des Unternehmens, das
zahlreiche aktuelle
Kino- und Fernsehproduktionen wie „Das Leben der Anderen“ oder
„Der Geheimnisvolle Schatz von Troja“ und deutsche
Film-Klassiker wie der „Himmel über Berlin“, „Berlin
Alexanderplatz“ oder „Des Teufels General“ ausgestattet hat.
Schon in den 20er Jahren sind internationale Großproduktionen wie
„Ben Hur“ und „Metropolis“ beliefert worden, bevor 1943 der
Firmensitz, damals noch in der Schwedter Str. 9 in Prenzlauer Berg,
und mit ihm und auch sämtliche Kostüme einem Bombenangriff zum
Opfer fielen. Zahlreiche Ankäufe aus Privatsammlungen füllten nach
dem Krieg die Bestände wieder auf: auch ein Kostüm, das Marlene
Dietrich 1927 in Wien zu einem Maskenball trug, gehört dazu.
Mittlerweile lagern in dem Berliner Fundus in der Eisenzahnstrasse
43-44 rund 7,5 Millionen Stücke. Dazu kommen, in einer Extra-Halle,
Originaluniformen aus dem 1. Weltkrieg.
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Blick in
den Damenfundus der Theaterkunst GmbH, Berlin 2007 |
Einen
Eindruck von der Atmosphäre in der großen Halle vermittelt der
zweite Raum der Ausstellung: „Fundus“. Fein säuberlich
sortiert, mit Fotos versehen hängen und liegen die Stücke dort
nach Geschlechtern, Farben und Epochen getrennt. Unter anderem auch
ein schwarzer pelzbesetzter Mantel, den Hanna Schygulla 1979 in
„Die Ehe der Maria Braun“ trug. Diesen Mantel verwendete, so erfährt
man hier, die Kostümbildnerin Lucie Bates 2005 in „Alles auf
Zucker“ noch einmal für Hanne-Lore Elsner in der Rolle als
Marlene Zucker. Die
zahlreichen Kostümskizzen, Stoffproben, Aktennotizen und
Arbeitsmaterialien erklären den Arbeitsprozess der Kostümbildner,
die anhand der Drehbücher die Kostüme für die Schauspieler
entwerfen.
Falls der Fundus einmal nichts hergibt, werden sie in den Kostümwerkstätten und den Ateliers maßgeschneidert. Manche bis zu dreimal, um für den Anschlussdreh immer das passende Stück, trocken, oder nass oder schmutzig zu haben. Den Filmberufen ist der dritte und letzte Teil der Ausstellung gewidmet. Hier kommen auch Liebhaber von Uniformen und Rüstungen auf ihre Kosten. Unter dem Titel „Werkstatt“ erfährt man, was und wie eine Weißnäherin, Modistin, Putzmacherin oder ein Rüstmeister zu dem Erfolg eines Films beitragen. Auch das eine oder andere skurrile Exponat gibt es hier zu bestaunen. Die Ausstellung sollte man keinesfalls verpassen. Im nächsten Jahr wird sie übrigens im Museum der Arbeit in Hamburg gezeigt.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr
Begleitend
erscheint ein Katalog mit großformatigen farbigen Kostümfotos,
Beiträgen zur Firmengeschichte, Interviews mit Mitarbeiterinnen und
Kostümbildnerinnen sowie einem Verzeichnis ausgewählter Exponate.
Begleitende Veranstaltungen sind in Planung.
Katalog (DruckVerlag Kettler) 116 Seiten, 93 Abbildungen zum Preis von 19,00 EUR
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Ausgabe April 2007


