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In Kooperation mit dem Arbeitskreis Kultur der CDU-Mitte hat modekultur.info am 20. September eine Fashion-Tour durch den Bezirk Mitte durchgeführt und den 20 Teilnehmern einen Einblick darüber verschafft, wie sich der Mode-Standort Berlin abseits von Image-Prospekten entwickelt hat - und vielleicht noch entwickeln wird.
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Besucht wurde der Thatchers-Shop in den Hackeschen Höfen, wo
es nicht nur um die neue Kollektion "Audrey's Secret"
ging, sondern auch um die
Sicht des Labelgründers Thomas Mrozek zum Thema. Seiner Meinung
nach wird die Berliner Modeszene inzwischen von außen sehr viel
ernster genommen, als noch vor einigen Jahren. Trotzdem muss noch
einiges an der Infrastruktur in Berlin und der gesamten Region getan werden. Während es in Paris
ganze Straßenzüge gibt, in denen man Stoffe kaufen kann, muss man
in Berlin lange suchen. Ähnlich verhält es sich bei der Suche nach
den richtigen Schaufensterpuppen und ähnlichem Equipment. Das
Angebot in Berlin ist (noch) nicht herausragend. Hinzu kommt, dass
man nicht allein auf die hiesigen Modemessen bauen sollte, da die
Einkäufer ohnehin volle Terminkalender haben und die Standorte
Paris, Mailand, New York oder London in aller Regel vorziehen.
Thomas Mrozek, der das Label Thatchers 1995 gemeinsam mit
Ralf Hensellek gründete, glaubt abseits mehr oder minder
erfolgsversprechender Förder- möglichkeiten durch die Politik in erster Linie an die Stärke eines
überzeugenden Geschäftskonzepts und
der eigenen Kollektionen.
Thatchers lässt in Berlin und im Umland
fertigen und profitiert hier von kurzen Wegen und guter
Kommunikation. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die aktuelle Kollektion "Audrey's Secret",
die sich an die Frau mit einem Geheimnis richtet, die Spaß hat am
Leben, und die sich nicht über-, sondern unterstreichen will. Neben einem Atelier in der Kastanienallee
betreibt Thatchers einen Shop in der selben Strasse, sowie
einen im Hof 4 der Hackeschen Höfe.

Foto: Matthias Vander
Im Showroom von
von Wedel & Tiedeken und ROB-ERT
Die zweite Station der Tour führte in die Almstadtstrasse 7 zum
Showroom und Atelier der Labels von Wedel & Tiedeken und ROB-ERT.
Regina Tiedeken stellte die neue Herbst/Winter-Kollektion
"Wanderer" vor. Inspiriert von
Raumanzug und Ritterrüstung, steht der Körper im Mittelpunkt. Die
Schnitte sind angelehnt an schützende Sportkleidung, überzeichnen
Muskelstränge und schaffen die nötige Bewegungsfreiheit.
Von Wedel & Tiedeken wurde 2004 als deutsches
Newcomer-Label nach London zu "Fashion at the Embassy"
eingeladen. Inzwischen ist das Designerduo eine feste Größe in der
internationalen Modewelt. Ihre Kollektionen werden weltweit
verkauft.
Julia Laskowski gründete ihr Label ROB-ERT 2005. Ihre neue
Kollektion heißt "lichten" (»Du siehst den Wald vor
lauter Bäumen nicht, dann kommt die Lichtung«). Julia Laskowski
verzichtet immer wieder bewusst auf die klassische
Schnittkonstruktion. Gedeckte Farbtöne bestimmen das
Erscheinungsbild: Grau, oliv, braun, blau und schwarz -
minimalistische Mode mit gleichzeitig funktionalen Erwägungen für
die Frau, die Feminität und Selbstbewusstsein wie
selbstverständlich in sich vereint.
Auch die beiden genannten Labels lassen in der Region fertigen.
Den Abschluss der Fashion-Tour bildete ein Besuch bei Sterling
Gold in den Heckmann-Höfen. Hier werden "erstklassige
Moden der zweiten Art" in Form von Abend- Ball- und
Cocktailkleidern
der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre angeboten. Hochwertige Vintage-Mode,
die in erster Linie den Weg aus Amerika nach Berlin fand.
Bei einer
Modenschau wurden die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise durch die
Mode-Jahrzehnte genommen.
Inhaberin Andrea Jacobs führte dabei charmant und kenntnisreich
durch das Programm. Gezeigt wurden elegante, schrille und schlichte
Modelle, die einen an alte Filme denken ließen. (siehe
auch unsere Slide Show).

Foto: Matthias Vander
Bei Sterling Gold in den Heckmann-Höfen
Die Fashion-Tour kam bei allen Beteiligten gut an und es wird
spannend bleiben, wie sich der Mode-Standort Berlin entwickeln wird.
Es wird sicher nicht die letzte Tour gewesen sein.
Das
Spannende an Berlin ist ein Facettenreichtum auf allen Ebenen, so
auch im Bereich der Mode. Es gibt keine festgelegten Strukturen, wie
man diese von woanders her kennt. Alles scheint möglich, doch liegt
hier nicht auch eine gewisse Gefahr, weil es auf Dauer auch auf Kontinuität und Verlässlichkeit ankommt? Die Chance liegt
vielleicht, wie so oft, irgendwo in der Mitte: wenn Berlin es
schafft, das ungeheure vorhandene Potential aus einerseits Anarchie
und Chaos, andererseits Professionalität und Qualitätsbewusstsein
zu verbinden und sowohl trashige als auch elegante Linien
zuzulassen, stehen die Chancen gut, tatsächlich zu einer
Mode-Metropole heran zu reifen und ein beständiges (Mode-)Profil
aufzubauen.
Die Adressen der besuchten Designer:
- Thatchers
Shop 1: Kastanienallee 21, Berlin-Prenzlauer Berg
Shop 2: Rosenthaler Str. 40/41, Hackesche Höfe (Hof 4), Berlin-Mitte
Internet: www.thatchers.de
- von Wedel & Tiedeken
Almstadtstr. 7, Berlin-Mitte
Internet: www.vonwedel-tiedeken.de
- ROB-ERT
Almstadtstr. 7, Berlin-Mitte
Internet: www.rob-ert.com
- Sterling Gold
Heckmann-Höfe
Oranienburger Str. 32, Berlin-Mitte
Internet: www.sterlinggold.de
- weitere Modedesigner in Berlin-Mitte:
>>zum Fashionguide
Email an: Leserbriefe@modekultur.info
Ausgabe September 2007



