Text: Cornelia Liese
Was passiert in der Modemetropole Berlin? Cornelia Liese hat vier Designerinnen in vier Bezirken besucht:

Foto: Christian Schwarzenberg /
Bo van Melskens
„Ich will Kleidung in alle Welt
verkaufen!“, sagt die Dänin Sarah Elbo. In ihrem Geschäft
stapeln sich auf der Fensterbank kesse Hüte in bunten Farben, die
aussehen, als ob sie zu den Uniformen von Stewardessen aus den
1960er Jahren gehören. Auf dem Ladentisch liegen mehrere Lagen
Seidenpapier bereit. Der junge Mann mit den blonden kurzen Haaren trägt
ein schwarzes Sweatshirt mit großem Front-Print und Jeans. Er nimmt
ein apfelgrünes Modell und hüllt es vorsichtig in das Papier ein.
„Weihnachtsgeschenke für unsere Kunden“, sagt Marck Elquetea
Windekilde. Er ist einer der beiden Salesmanager von Sarah Elbo. In
ihrem Ladengeschäft in der Oderbergerstrasse 20 in Berlin
Prenzlauer Berg hängen nur noch wenige Stücke aus der
Winterkollektion 2007/08: leichte Teile aus Jersey, Seide und
anderen meist eng anliegenden Stoffen. Feminin, sexy, cool und
elegant ist die ganz eigene Handschrift der Designerin. Die
Wahlberlinerin sagt über das Potential als Modestadt: „Berlin ist
eine coole Stadt. Kreativität liegt in der Luft. Die Leute kommen
wegen der günstigen Mieten hierher. Einen Berlin-Stil gibt es aber,
zum Glück, nicht mehr. Das war mal in den 1990ern. Ich sehe mich
auch nicht als Berliner Designerin, selbst wenn ich hier lebe.“
Geboren ist Sarah 1972 in Kopenhagen und hat sich dreißig
Jahre später mit einer ehemaligen Kommilitonin als HEARTBO+L`WIG
selbständig gemacht.
Aus Sarah Heartbo wird Bo van Melskens
Seit 2005 vertreibt sie mit ihrem Team, zu dem auch Katrin Gestewitz als rechte Hand der Designerin gehört, ihre eigenen Entwürfe unter dem Namen „Sarah Heartbo“. Doch das ist nun auch Geschichte: die Sommerkollektion 2008 kommt unter dem neuen Namen „Bo van Melskens“ in den Verkauf. Bo, das ist der weibliche Lieblingsname und auch so etwas wie ihre imaginäre Muse, deren Geschichten die Kollektion begleiten. „Van Melkens ist der Mädchenname meiner Urgroßmutter Rosa!“, sagt die blonde Sarah.
Inat
heißt übersetzt: Eigensinn

Foto: INAT
Inat ist
ein türkisches Wort und heißt so viel wie Eigensinn,
Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen. So heißt das Label in
einer anderen Seitenstrasse der Kastanienallee: der Schwedter
Strasse in Berlin Mitte. Nach dem Klingeln öffnet eine junge Frau,
gekleidet in schwarz-weiß mit einem großem Ring im rechten Ohr.
Die langen dunklen Haare sind streng zurück gebunden. Die
Designerin Gülriz Egilmez und zwei Geschäftspartner haben hier
ihren Shop im Jahr 2007 eröffnet.
Dem kleinen Geschäft in einem Altbau verleihen neo-barocke
Designertischleuchten einen eleganten Touch. „Die intime Atmosphäre,
den Hauch von Boudoir, das schätzen die Kundinnen!“ sagt die
Designerin des Labels und Absolventin der Modeschule Esmod, Gülriz
Egilmez. In dem Showroom in Mitte hängen links T-Shirts und
Business- Blusen in Weiß, Hellblau und Rosé, daneben Röcke in
verschiedenen Formen und Längen. Auf der rechten Seite gibt es Anzüge
in Nadelstreifen und Grau, Kleider in Lila und Bordeaux, ansonsten
dominieren Basictöne wie Schwarz, Dunkelblau und Anthrazit. Die
Schurwollstoffe der Jacken, Röcke und Hosen fassen sich weich an.
Keine Muster, keine Schnörkel. Produziert wird in der Türkei und
in Berlin- Kreuzberg. Die bestickten und blumengeschmückten Yemeni
Tücher bilden einen starken Kontrast zu der Businessmode des
Labels. Die Tücher sind Unikate aus der traditionellen Aussteuer türkischer
Frauen.
„Im Frühling wird es farbiger und die Klassiker- Linie wird um
den Trenchcoat erweitert.“, sagt die 1973 geborene Designerin.
Kleider ohne Bügelsex
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Vom U-Bahnhof Senefelder Platz kann
man mit der Linie U2 bis zum Nollendorfplatz in Schöneberg fahren.
Dort verkaufen in der nahen Winterfeldstrasse seit mehr als zehn
Jahren zwei Berliner Designerinnen unter dem Namen Herz & Stöhr
hauptsächlich Kleider.
„Wenn schwarz in ist, machen wir farbige Muster!“ sagt Sabina
Herz. Die zierliche Frau mit der langen rotbraunen Lockenmähne ist
eine auffällige Erscheinung. Mit ihrer Geschäftspartnerin Anja Stöhr,
geboren 1965, beliefert sie mittlerweile einen großen Kreis an
Stammkundinnen. Dazu gehören auch Schauspielerinnen wie Inga Busch
und Maria Schrader oder Fernseh-Moderatorinnen und Politikerinnen.
Die Entwürfe von Herz & Stöhr wirken sehr weiblich, harmonisch
und jung. „Das was wir machen ist Maßkonfektion, wir passen
unsere Entwürfe an die Körper der Kundinnen an. Das Verhältnis
von Brust, Taille und Hüften ist bei jeder Frau anders!“ Wie
viele Kleider in dem Geschäft hängen, weiß die die 44jährige
nicht. Einige hundert werden es wohl sein. In dieser Saison sind es
vorwiegend knielange Wickel- und Etuikleider in einer großen
Auswahl an unterschiedlichen Farbschattierungen, Musterungen, Längen
und Stoffqualitäten. Tweed, Seide oder Samt zum Beispiel, aber auch
Mirkofaser. Je nach Anlass, Typ und Figur kann die Wahl anders
ausfallen. Grundsätzlich raten die beiden Designerinnen immer zum
Anprobieren „Oft sehen die Kleider getragen ganz anders aus als
auf dem Bügel. Falls etwas nicht passt, wird es entsprechend geändert“.
Schneiderinnen arbeiten ebenfalls in dem Atelier. Dort hängen auf
mehreren Metern Pinnwand: Fotos, Stoffproben, Werbungen und Motive aus
Prospekten als Inspirationen. Im Sommer 2008 verwendet das
Designerduo erstmals speziell für Herz & Stöhr bedruckte
Stoffe und außerdem viel rot.
Erfolg vor allem im Ausland

Foto: Getty Images /
Anett Röstel
Vom
U-Bahnhof Nollendorfplatz fährt die U1 in Richtung Kreuzberg. Hier
liegt, in einem Gewerbehof das Atelier der Modedesignerin Anett Röstel.
In der Fabriketage stehen dicht gedrängt mehrere gut vollgehängte
Kleiderstangen: Die Sommerkollektion wird in alle Welt verschickt.
Im Hintergrund produziert das Team die Musterstücke für den
kommenden Winter, viel schwarz, etwas weiß, wenig rot. Die Nähmaschinen
rattern, die Musterkollektion muss fertig werden, denn die nächsten
Messen stehen an. Anett Röstel hat kurze schwarze Haare und ist
ungeschminkt. Das Büro teilt sie mit ihrer Assistentin und vielen
Entwurfszeichnungen, Schuhkartons von Trippen und Stoffproben.
„Meine Inspirationen bekomme ich durch die Stoffe. Ich fahre zur
Stoffmesse nach Paris, kaufe dort was mir gefällt und dann entsteht
daraus Mode!“ Meist behandelt die 1964 geborene Röstel die Stoffe
noch weiter und verleiht ihnen dadurch ein eigenes Finish. Unterstützt
wird Anett Röstel dabei von ihrem sechzehnköpfigen Team. Sie ist
mit ihren Kollektionen seit 1990 auf den internationalen Messen
vertreten und verkauft vor allem im Ausland viel. Zu ihren Kundinnen
in New York gehört unter anderem auch Catherine Zeta Jones. Zuletzt
machte Röstel im Sommer 2007 bei der Fashion Week in Berlin mit
einer großen Show auf sich aufmerksam. Charakteristisch sind ihre
schwarzen Gehröcke mit auffälligen Knopfleisten und Applikationen
in Kontrastfarben. Ihre Mode wirkt streng und poetisch, feminin und
klar. Trotz der schlichten und neutralen Farbgebung sind die Entwürfe
durch die Schnittführung dynamisch. Auch für Röstel ist Berlin
vor allem wegen der günstigen Produktionsbedingungen interessant.
Berlin:
modisch gesehen - ein junges Mädchen

Foto: Erik-Jan Ouwerkerk / annAmare
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Die Music Slide Show zum Thema
"Modedesigner in Berlin". Wir zeigen Ihnen einige
ausgewählte Outfits: |
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- >>Fashionguide Berlin 2008 (Falt-Stadtplan)
- >>We fashion you! - News aus den Modeschulen
- >>Slide Show Anett Röstel, Juli 2007
- >>Sonderseite zur Fashion Week Berlin
Service-Adressen:
- Anett Röstel
Alexandrinenstr. 2-3
10969 Berlin-Kreuzberg
Fon: (030) 4286499 - Evento Modedesign
Grolmannstr. 53-54
10623 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 3133217 - Heartbo / Bo van Melkens
Oderberger Str. 20
10435 Berlin-Prenzlauer Berg
Fon: (030) 44045425 - Herz + Stöhr
Winterfeldtstr. 52
10781 Berlin-Schöneberg
Fon: (030) 2164425 - INAT
Schweder Str. 22
10119 Berlin-Mitte
Fon: (030) 61285080 - Langhein Berlin
Raumerstr. 8
10437 Berlin-Prenzlauer Berg
Fon: (030) 4427697 - Laudien Berlin
Couture + Strickdesign
Knesebeckstr. 95
10623 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 81015218 - Molotow
Designermode
Gneisenaustr. 112
10961 Berlin-Kreuzberg
Fon: (030) 6930818 - susa.graue
Mützen. Schals. Handbekleidung.
Pestalozzistr. 6
10625 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 60406490 - Thatchers - shop 1
Kastanienallee 21
10435 Berlin-Prenzlauer Berg
Fon: (030) 4481215 -
Thatchers - shop 2Rosenthaler str 40/41 (Hackesche Höfe)10178 Berlin-Mitte
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In unserer Februar-Ausgabe 2008 erwartet Sie unsere Reportage über
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Der 2. Teil unseres Specials "Modedesign in Berlin" erscheint in unserer Juli-Ausgabe 2008!
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Ausgabe Januar 2008















