Auf unserer Sonderseite "We fashion you!" stellen wir die Modeschulen in Berlin vor. In diesem Monat berichten wir über die internationale Modeschule ESMOD.
Die private Modeschule „Esmod“ bildet in Berlin Modedesigner aus. Praxisbezug und Nähe zur Industrie werden hier groß geschrieben.
Text: Anne Mareile Moschinski
Fotos: © Stefan Kraul
Zwischen Kreativität und Vermarktung
Auf einem kleinen Tisch im Eingangsbereich der Berliner Esmod-Schule liegen Modezeitschriften auf einem Stapel. Dahinter stehen Figurinen, an denen Entwürfe von Schülern präsentiert werden. Ein kurzes Trägerkleid im Patchwork-Stil, das aus unterschiedlichen Stoffbahnen zusammengesetzt ist, eine aufwendig gearbeitete Bluse, an die voluminöse Rüschen appliziert sind. Die Wände im Erdgeschoss zieren technische Zeichnungen von Kollektionen, ein opulenter Kronleuchter hängt an der Decke, das geräumige Lehrerzimmer ist durch Glasscheiben sichtbar. Seit eineinhalb Jahren hat die Berliner Modeschule „Esmod“ in dem Kreuzberger Backsteingebäude ihren Sitz, in der Hauptstadt residiert sie seit 1994. Weltweit ist die Privatschule an 17 Standorten vertreten, darunter Tokio, Paris, Sao Paulo. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Stylist (Modedesigner) und Modelist (Modellmacher), die mit einer Diplomprüfung abgeschlossen wird und neben Berlin auch in München angeboten wird. „Das Besondere an unserer Schule ist die internationale Ausrichtung, wir haben Austausch- programme, laden Designer aus dem Ausland, beispielsweise aus China, zu uns ein. Außerdem werden unsere Schüler in zwei Berufen gleichzeitig ausgebildet, sind nach ihrem Abschluss Modedesigner und Modellmacher. Das heißt, sie entwerfen und realisieren ihre Produkte“, erzählt Klaus Metz. Er ist stellvertretender Geschäftsführer von „Esmod“ in Deutschland und unterrichtet zusammen mit acht fest angestellten und zehn freiberuflichen Dozenten in Berlin. Neben Modedesignern halten auch Marketingexperten und Rechtsanwälte Vorträge an der Schule.

Mehrere
Kollektionen entwerfen
die „Esmod“-Schüler pro Jahr.
Neben Kreativität spielt auch die Brauchbarkeit
der Kleidungsstücke eine Rolle.
„Eine ganzheitliche Ausbildung ist uns wichtig. Wir bringen
unseren Schülern beispielsweise bei, wie man ein eigenes Label
anmeldet oder worauf man beim Abschluss von Verträgen achten
muss“, sagt Klaus Metz. In den Seminaren wird daher nicht nur
darauf geachtet, die Kreativität zu schulen und technisches
Handwerk zu vermitteln, die Schüler werden auch mit Vermarktungs-
strategien, der finanziellen Umsetzung von Kollektionen
vertraut gemacht. „Wir arbeiten sehr realitätsnah. Unsere Schüler
entwerfen eine Kollektion nach der anderen und haben so häufig eine
70-Stunden-Woche. Ähnlich sieht der Berufsalltag eines Designers
aus“, erklärt Klaus Metz. Allein im ersten Jahr würden daher 20
bis 30 Prozent der Schüler die Ausbildung abbrechen.
Seriosität und kulturelles Wissen sind gefragt
David Ubl schätzt den intensiven Unterricht bei „Esmod“. Er besucht die Schule bereits das dritte Jahr und absolviert derzeit bei „Mustang Jeans“ ein Praktikum. „Man braucht einen starken Willen, um hier zu bestehen. Gleichzeitig lernt man an der Schule, wie es in der Modebranche zugeht, man weiss, was einen nach der Ausbildung erwartet. Das ist ein großer Vorteil“, sagt der 24-Jährige. Er arbeitete nach seinem Abitur zunächst in einer Werbeagentur, studierte schließlich Business English Management in Boston. Auf einer Messe kam er in Kontakt mit der Mode, lernte dort eine Designerin kennen, arbeitete daraufhin zwei Monate in ihrem Atelier. „Ich habe dann in Boston eine Modeschule besucht und mein Visum für die USA verlängert. Durch das Internet bin ich auf ,Esmod‘ aufmerksam geworden. Ich wollte unbedingt auf diese Schule, habe meine Koffer gepackt und war im nächsten Monat in Berlin“, erzählt David Ubl weiter.

Vier
Monate haben die „Esmod“-Schüler
für die Erstellung ihrer Diplomkollektion Zeit.
30 Outfits müssen hierfür angefertigt werden.
Die industrielle Seite der Modebranche
David
Ubl hat für seine Diplomarbeit konkrete Vorstellungen. „Ich möchte
eine Jeans-Kollektion für Männer entwerfen“, sagt er. Nach
seiner Ausbildung will der 24-Jährige bei einem Denim-Label
arbeiten, aus diesem Grund suchte er sich auch das Praktikum bei
„Mustang“ aus. „Bei dieser Firma bekomme ich den Alltag eines
Designers gut mit. Alle drei Monate entsteht eine neue Kollektion,
man informiert sich permanent über Trends, lässt sich beim
Entwerfen der Kleidungsstücke davon inspirieren“, erzählt er.
Das Absolvieren eines Praktikums ist in der „Esmod“-Ausbildung vorgeschrieben.
So sollen die Schüler die industrielle Seite der Modebranche kennen
lernen. Einblicke in die Praxis werden den angehenden
Modedesignern auch durch spezielle Workshops vermittelt. Darin präsentieren
Chefdesigner das visuelle Konzept ihres Labels, hierfür entwerfen
die Schüler innerhalb von vier Wochen zwölf Outfits. Eines davon wählt
die Firma aus und lässt es vom Schüler umsetzen.
„Genauso läuft es auch in der Realität. Man macht mehrere
Vorschläge und einer davon wird schließlich realisiert“, sagt
Klaus Metz.
Der
kreative Blick der Schüler wird auch durch Shoppingtouren und
Messebesuche geschult. Im ersten Halbjahr ihrer Ausbildung besuchen
sie zudem Museen, um sich über historische Kleidungsstile zu
informieren. Anschließend müssen sie durch Modellage von Stoffen
eine spezielle Epoche nachbilden, theoretische Fächer wie
„Textilkunde“ oder „Psychologie der Mode“ werden ebenfalls
unterrichtet. „Unsere Schüler sollen sich den Look einer Firma
aneignen können, ohne ihre Kreativität dabei zu unterdrücken. Sie
sollen brauchbare Kleidungsstücke entwerfen, die trotzdem
extravagant sein können“, sagt Klaus Metz. Denn nach ihrer
Ausbildung sollen die „Esmod“-Absolventen die Gratwanderung
zwischen Kommerzialität, Vermarktung und Kreativität erfolgreich
meistern.
Die
Fotos wurden freundlicherweise von der Esmod zur Verfügung
gestellt.
Fotograf: Stefan Kraul - www.stefankraul.de
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Ausgabe Oktober 2007

