Text: Jörg Buntenbach

Designer: Ostwald Helgason
aufgenommen auf der Beck's Fashion Experience, Jan. 08
Foto: © modekultur.info
Wenn vom 17.
bis zum 20. Juli die nächste Berliner Fashion Week in der deutschen
Hauptstadt die neuesten Trends für die Saison Frühling/Sommer 2009
präsentieren wird, sind die Augen der Modewelt (zumindest der
heimischen) auf die Spree-Metropole gerichtet. Und dann wird wieder
darüber diskutiert, ob Berlin es mit Paris, Mailand, New York oder
London aufnehmen kann. Doch Vergleiche zu ziehen ist müßig. Berlin
wird im Rankingspiel oft den Kürzeren ziehen. Und das liegt in der
Natur der Sache, denn was woanders über Jahrzehnte wachsen konnte,
kann man hier nicht über Nacht herbei zaubern. Stattdessen sollte
Berlin sich als ernstzunehmende Ergänzung sehen, als Drehscheibe
zur osteuropäischen Fashionscene. Berlin muss es mehr und mehr
schaffen, Individualität mit Professionalität und Verlässlichkeit
zu verknüpfen. Sowohl auf Seiten der Politik, als auch bei den
Kreativen selbst. Über schöne Sprechblasen in Imageprospekten
hinaus muss es das Ziel sein, im Tagesgeschäft zu glänzen und die
internationalen Einkäufer mit Kontinuität und Qualität
langfristig zu überzeugen. Dazu gehört der Mut, wandelbar zu
bleiben, genau so, wie eine funktionierende Infrastruktur
aufzubauen. Der Fokus sollte nicht nur auf Seiten der Kreativen
liegen, sondern vermehrt vor allem auf Seiten des Handwerks und der
„Zulieferindustrie“. Wo befinden sich die Zwischenmeistereien?
Oft genug jedenfalls nicht in Berlin und Brandenburg! Bundesländer
wie Sachsen oder Thüringen haben Weitsicht bewiesen und mehr in
ihre Infrastruktur investiert.
Was nützt der
schönste Entwurf, wenn niemand da ist, der ihn umsetzt? Wer liefert
die Stoffe? Wer die Schaufensterpuppen und sonstige Ausstattung für
die Berliner Stores? Wo sind die guten Schneider?
Wenn Berlin es
schafft, nicht nur die Kulisse für schöne Partys zu sein, sondern
auch im harten Businessalltag zu bestehen, wird viel möglich sein
mit dem Mode-Standort Berlin. Das Potential ist vorhanden. Und dann
darf die Losung nicht lauten „Arm aber sexy.“, sondern „sexy
durch Investitionsfreudigkeit und Freude am Geld verdienen!“. Und
vor allem „Spaß an der Mode!“.
Linktipps:
Möchten
Sie diesen Artikel kommentieren?
Email an: Leserbriefe@modekultur.info
Ausgabe Juli 2008

