Text: Sabine Kelle

Foto: Hazelnut/Flagshipstore
Eine
Shoppingtour mit Freundinnen kann ganz schön anstrengend sein,
besonders, wenn sie allesamt grundverschieden sind und man quer
durch die ganze Stadt muss, damit jede von ihnen das Passende
findet.
Artenvielfalt
Aber
mal ehrlich, so ein Stadtbummel macht doch einfach viel zu viel Spaß,
um darauf zu verzichten. Besonders weil man ständig auf tolle neue
Geschäfte und Designer stößt und selbst bei seinen Lieblingsshops
immer wieder etwas unwiderstehlich Einzigartiges entdeckt.
Meerwert

Foto: annAmare
Mode ist ja nicht nur ein Ausdruck der Zeit, in der man lebt sondern vor allem der eigenen Persönlichkeit. Am wohlsten fühlen wir uns doch, wenn unser Outfit möglichst einmalig ist, am besten ein Unikat. So dachte auch Anna Cafetzakis und gründete, nachdem sie zunächst für andere Firmen tätig war, ihr Label annAmare. Massenware, das ist nichts für sie. Jedes Teil der Berlinerin mit griechischen Wurzeln ist ein Einzelstück und liebevoll von Hand gefertigt. Auf sie aufmerksam geworden bin ich im Kreuzberger Bergmann, auf der Suche nach einem Geschenk.
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Da fielen mir ihre Stulpen in die Hände, und ich konnte mich kaum entscheiden, welche ich nehmen sollte. Jedes der aufwendig gearbeiteten Paare hatte etwas ganz Besonderes. Da war eines aus feiner Spitze, ein anderes mit kuschelig warmem Kunstfell und wieder ein anderes mit witzigen Rüschen, wie soll frau sich da entscheiden? |
Na ja, dann wanderten
eben gleich alle drei in meine Tüte, noch eins für mich
und eines auf Vorrat, man kann ja nie wissen...
Seit
kurzem hat Anna nun auch einen eigenen Laden, den M75 am Mehringdamm.
Dort kann man das gesamte Sortiment von annAmare und noch viel mehr
erstehen. Neben den kultigen Stulpen und Nierengurten fertigt sie
auch, ganz annAmare typisch, perfekt sitzende Wickelkleider und
Pumphosen aus Figur schmeichelndem Jersey. AnnAmare, erklärt mir
die Frau mit der dunklen Mähne, steht für das Element Wasser und
ebenso leicht wie Wasser sollen ihre Entwürfe den Körper umfließen.
Für Annas Kreationen muss sich niemand verbiegen, hineinschlüpfen
und wohl fühlen ist angesagt. Mit ihren Armstulpen und Nierengurten
kann man übrigens jedes noch so schlichte Outfit um Einiges
aufwerten.
Pionierarbeit

Foto: Steinort Berlin
Apropos aufwerten. Neukölln, ein Bezirk, der modemäßig nicht unbedingt zu den Vorzeigeorten in Berlin gehörte, hat in den letzten Jahren eine massive Veränderung erfahren. An der Grenze zu Kreuzberg, von seinen Anwohnern liebevoll Kreuzkölln genannt, siedeln sich immer mehr junge Design-Talente an. Die Pioniere vor Ort sind Sabine Steinort und Ulrika Böhm, die Betreiberinnen von Steinort/Kreuzkölln. Unweit des idyllischen Maybach-Ufers in der Bürknerstraße gelegen, folgten Ihnen schnell Designer, Hutmacher und andere Kreative und machten die Gegend zu einem Geheimtipp, der wohl bald keiner mehr sein wird. Kennen gelernt haben sich die beiden beim Film, wo sie schon ihre gemeinsame große Leidenschaft, die Mode, auslebten. Als Ulrika vor zwei Jahren ihre Zelte in Hamburg abbrechen und etwas Neues in Berlin anfangen wollte, da sagte Sabine: „Super, ich eröffne gerade einen Laden!“. Perfektes Timing. Von da an machten die beiden gemeinsame Sache. Neben ihren jeweils eigenen Projekten bieten sie eine gemeinsame Linie ausschließlich mit Unikaten an.
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Das Sortiment reicht von Kleidern und Röcken für die Damen, über Shirts und Hemden für die Herren, bis hin zu praktischen Accessoires wie Nierengurten und Gürteltaschen für jedermann. Insgesamt ist der Stil sportlich leger mit außergewöhnlichen, verspielten Details. |
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Da der Kleiderhimmel für die Herren
bekanntermaßen nicht so viel Ausgefallenes hergibt,
erfreuen sich die Hemden von Kreuzkölln extremer
Beliebtheit. Der
Schnitt ist schlicht tailliert, das Highlight sind die Drucke mit
witzigen Sinnsprüchen und Zitaten, sowie die filigranen
Stickereien. Bestseller bei den Damen: natürlich die Kleider! Aus
spannenden Materialmixen, allesamt Unikate und top für die Figur
dank Jersey, was will frau mehr? Ach ja, auf Wunsch wird im Steinort
selbstverständlich alles auf Maß angefertigt, bzw. wenn es das
Material zulässt, auf die jeweilige Größe angepasst. Das wissen
ihre treuen Kunden sehr zu schätzen und so einige können sich nun
schon glückliche Besitzer gleich mehrerer Unikate aus den begabten
Händen der beiden nennen.
Glückliche Falten

Foto: Mashiah Arrive
Ja, Mode kann wirklich sehr sehr glücklich machen. Aber auch das Mode-Machen ist eng mit dem Zustand der Glückseligkeit verbunden. Das wird bei einem ganz besonders offensichtlich: Merch Mashiah. Angezogen von einer bunt schillernden Farbenpracht betrete ich den Showroom von Mashiah Arrive in der Leibnitzstraße und werde von einem attraktiven freudestrahlenden Mann empfangen. Die Begeisterung für seinen Beruf steht ihm wahrlich ins Gesicht geschrieben. Von einem funkelnden Kronleuchter angestrahlt reihen sich dicht an dicht auf schier endlos langen Kleiderstangen seine extravaganten Kreationen in allen erdenklichen Farben. Von schlicht und Körper betont, bis voluminös pompös und in mehr als 40 Farben kann man hier wirklich alles für einen unvergesslichen Auftritt erstehen. Seide und Plissee sind unübersehbar das Steckenpferd des Designers.
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Die kleidsamen Falten verbindet er meist mit einem Kimonoschnitt, der einfach jeder Frau steht. Viele der Teile sind multifunktionell. Aus einem breiten Schal lässt sich eine Weste zaubern oder ein Top, das man um den Hals oder hinten in der Taille knotet. Routiniert verwandeln die Hände des Designers das Eine in das Andere. |
Das
Beste an seinen plissierten Kreationen ist jedoch, dass sie
absolut pflegeleicht sind. Einfach
zusammenlegen, ab in den Schrank oder Koffer und sie kommen genau so
wieder heraus. Frauen in Asien und den USA, in Afrika und
Europa tragen seine Mode, erzählt Mashiah begeistert. Zu seinen
Kundinnen in Berlin gehören Künstlerinnen, Operndiven und
Schauspielerinnen.
Passende Accessoires gehören selbstverständlich auch zum
Sortiment: von witzigen Schals, Ketten und Filzringen bis zu
handgefertigten Blütenketten aus Israel. An
den Wänden hängen große filigrane Vogelkäfige und Spiegel, die
dem Ganzen den Eindruck von paradiesischer Leichtigkeit verleihen.
Beinahe wie in einem kleinen orientalischen Ballsaal fühlt man sich
hier und möchte gleich alles anprobieren. Mit seinem Label Mashiah
Arrive hat das ehemalige Model aus Tel Aviv nicht nur sich, sondern
auch uns, einen Traum erfüllt.
klassisch schräg

Foto: Friedbert Schneider
Wer es zwar ausgefallen, aber etwas klassischer mag, dem sei das Geschäft von Friedbert Schneider in der Charlottenburger Pestalozzistraße ans Herz gelegt. Vom Savignyplatze aus kann man, vorbei an den unzähligen Antiquitätengeschäften und Boutiquen, gemütlich zum Ladenatelier des ehemaligen Stylisten schlendern. In direkter Nachbarschaft sind ihm zudem im letzten Jahr weitere Designtalente gefolgt, vorbeischauen lohnt sich also allemal. Das Besondere an den Entwürfen des Designers ist die Verbindung von zeitlos klassischen Materialien wie Seide, Schurwolle und Leinen, aber auch Jersey, mit unkonventionellen Schnitten und Farben.
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Mode für Mutwillige hat sich der Wahlberliner auf die Fahnen geschrieben. Und so findet man in seinem Laden Herrensakkos in klassischem Glencheck-Karo und aus eben dem gleichen Material auch ein elegantes Kleid für die Dame. |
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Daneben wiederum hängt ein relativ schlichtes Etui-Kleid, aber es wäre nicht von Friedbert Schneider, wenn das edle Material nicht in einem kräftigen Pink käme. Als erfahrener Stylist diverser Promis ist er ganz Profi, wenn es um persönliche Beratung geht. Bei ihm kommt jeder in den Genuss einer intensiven Konsultation und damit am Ende wirklich alles perfekt sitzt werden selbstverständlich sämtliche Kollektionsmodelle auf den Kunden angepasst. Aber auch individuelle Entwürfe des Designers für Gala-Roben und Hochzeitskleider sind nicht nur bei den Charlottenburgern heiß begehrt. So verwundert es nicht, dass Promis wie Yvonne Catterfeld, Barbara Schöneberger oder Caroline Beil in seinen extravaganten Kreationen über den Roten Teppich schweben.
Mode-Botschafter
So, und wenn alle Freundinnen jetzt immer noch nicht fündig geworden sind, dann bleibt nur noch eins: der Flagshipstore im Prenzlauer Berg. In der Oderberger Straße, direkt an der Kastanienallee gelegen, ist er in bester Gesellschaft zu vielen kleinen und großen Designer-Läden, sowie gemütlichen Cafés. Seit Mai 2005 versorgt der Flagshipstore mich mit den brandneuen Kollektionen meist junger Berliner Labels und seit Kurzem gibt es sogar Frischware einiger hipper Skandinavischer Designer, wie Froks aus Kopenhagen oder Stylein aus Göteburg. Die Besitzerinnen Beata und Johanna überraschen immer wieder aufs Neue mit ihren Entdeckungen. Sogar die Herren der Schöpfung kommen hier nicht zu kurz, denn es gibt die berühmt berüchtigten Hosen von Betty Bund, welche auch schon mal im Voraus von treuen Fans reserviert werden.
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Eines der neuen Highlights sind die kuscheligen unisex Schalpullover und -jacken des Labels z.B...Berlin. Die waren innerhalb von Tagen ausverkauft, weiß Johanna. Einer der Dauerbrenner ist das Berliner Label Hazelnut- street royalty mit seinen verspielten und doch sportlich-legeren Modellen, die allesamt das Potential zum Lieblingsteil haben. |
Übrigens
sehr beliebt bei Freunden, die nicht aus Berlin kommen ist, mich zu
beauftragen, ihnen doch noch den einen oder anderen Pulli von Slowmo,
dem Berliner Spezialisten für absolut stylische Öko-Streetwear
hinterherzuschicken. Kein Problem, das mache ich gerne, denn ein
Besuch in dem „Designer-Feinkostladen" lohnt immer. Wenn
nicht für mich dann finde ich doch immer eine Kleinigkeit zum
Verschenken. Neben Klamotten gibt es hier nämlich auch diverse
witzige und praktische Accessoires. Ob ausgefallene Ketten mit einer
Kassette als Anhänger, variierbare Taschen von Tausche - oder
Vintage-Lampen mit auswechselbaren Berlinmotiven, da ist für jeden
Typ das Richtige dabei. Darüber hinaus organisieren die beiden fleißigen Mädels
diverse Events und Ausstellungen mit den Arbeiten von jungen Künstlern
in den Bereichen Malerei, Fotografie und experimenteller Kunst.
Glücklich
gekauft
Dass
einem nach so einer Tour die Füße brennen, ist klar. Aber der
Blick in die gut gefüllten Tüten ist besser als jedes Fußbad. Die
anschließende Modenschau mit den neu erstandenen Klamotten überzeugt
dann auch den Liebsten, dass man sich diese Traumteile nicht
entgehen lassen durfte.
Fotos: PR Anbieter
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Modedesign in Berlin: |
Adressen:
- Mashiah Arrive
Leibnizstr. 56
10629 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 3239910
www.mashiaharrive.de
- Friedbert Schneider
Pestalozzistr. 100
10625 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 20053594
www.friedbert-schneider.com
- Flagshipstore
Oderberger Str. 53
10435 Berlin-Prenzlauer Berg
Fon: (030) 43735327
www.flagshipstore-berlin.de
- annAmare
Modedesign & Accessoires
www.annamare.com
- Steinort Berlin
Bürknerstr. 1
12048 Berlin-Neukölln
Fon: (030) 92252026
www.steinort-berlin.de
- mingmen
leute machen kleider
Bürknerstrasse 1&4
12047 Berlin
Fon: (030) 92252026
open di-sa 12-19pm
www.mingmen.info
- NANNA KUCKUCK - Haute Couture
Bleibtreustrasse 52
10623 Berlin-Charlottenburg
Fon: (030) 3150 7150
Im Internet: www.nanna-kuckuck.com
- weitere Modedesign-Adressen
>>zum Online-Fashionguide
Buchtipp:
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Ausgabe Januar 2009














