Audrey Hepburn, Grace Kelly, Isabella Blow, Coco Chanel, Sarah Jessica Parker, Brigitte Bardot, Agyness Deyn - sie alle tragen den mittlerweile inflationär gebrauchten Beinamen „Stilikone“ und werden gerne als eine Art Statussymbol auf Wandkalendern wie Handtaschen abgedruckt.

Irgendwie undefiniert kommt er daher, der
willkürliche Titel, den sich wohl nur die wenigsten der genannten
Damen selbst gewählt hätten. Um feststellen zu können, ob
Stilikonen an sich tatsächlich existieren, muss also zunächst
geklärt werden, was eine Stilikone überhaupt ausmacht.
Es gibt schließlich mehr als eine allgemein als gutgekleidet
empfundene Schauspielerin auf der Welt, längst nicht nur ein Model
mit extravaganten Frisuren und auch nicht nur ein It-Girl, dass sich
besonders modisch kleidet. Wo liegt also der Unterschied?
Die großen Filmdiven des vergangenen Jahrhunderts -
die heutzutage gemeinhin gerne als Stilikonen bezeichnet werden -
brachten alle das so gern zitierte „Gesamtpaket“ mit, wurden
selbst schnell zur Marke, zum Produkt. Audrey, Marilyn, Grace und
Brigitte punkteten bei ihren weiblichen Fans nicht nur durch ihre
gewählte Kleidung, sondern vor allem durch ihre Aura, ihr
Auftreten, ihre Wirkung. Ob mädchenhaft elegant oder lasziv kurvig
- jeder Charakter bot eine Identifikationsmöglichkeit für die
normalsterbliche Hausfrau, die sich gern in einer bestimmten Rolle
sehen wollte. Coco Chanel machte sich selbst zu ihrer eigenen Muse,
schuf Mode für Frauen wie sie selbst - auch hier spielte die
Selbstfindung der Frau eine entscheidende Rolle, um Coco zum Vorbild
einer ganzen Generation zu machen.
Stilikonen dieser Epoche inspirierten also nicht nur zum Kauf des
richtigen Etuikleides, sie erschufen Frauenbilder und Typen, denen
entsprochen werden wollte. Sei es die Frisur, der Wirkungskreis, die
Bewegung oder das Lachen - die gesamte Person wurde zum Kult, ihre
Kleidung mit inbegriffen.
Doch ist das zu heutigen Zeiten ebenso der Fall? Mittlerweile ist es anscheinend nicht mehr notwendig eine erfolgreiche Filmkarriere oder Einfluss im Modebusiness zu haben, um als Stilikone bezeichnet zu werden. Ob Soapstar oder Geliebte eines Prominenten - als „Stilikone“ (oder auch neuerdings „Fashionista“) kann sich wohl jede entpuppen, die ein Fendi-Täschchen und einen Vintage-Hut besitzt. Hier stellt sich dann doch schnell die nächste Frage: wer gibt hier eigentlich den Stil vor, die Ikone oder der Zeitgeist?

Wenn auch weniger offensichtlich, ergibt sich diese
Überlegung auch bei der Diskussion über „klassische“
Stilikonen wie Audrey oder Grace: wer hat ihnen die hübschen
Hängerchen den überhaupt angezogen? Waren es Blockbuster wie
Capotes Meisterwerk „Breakfast at Tiffanys“ - und damit die
Rolle der Holly Golightly - die Audrey zur schnieken New Yorker
Modepuppe machten, oder doch ihr eigenes Modeempfinden? Spiegelte
die zunächst als einflussreich erscheinende Stilikone letztendlich
nicht viel mehr den Geist der Zeit wieder, als das sie selbst den
Zeitgeist vorgab?
Eine klare Differenzierung dieser zugegebenermaßen recht subtilen
Frage ist tatsächlich schwer feststellbar.
Wer steckt also dahinter, wenn sich ein neuer Trend etabliert? Ist es die „Ikone“ selbst, ihr Stylist oder PR-Berater, die Merchandise-Maschinerie, die Presse oder die modebewusste Frau von der Straße? Letztendlich sind wir wohl alle gewissermaßen mitverantwortlich für die Selektion der so genannten „Stilikonen“ und ihrem Hype. Schließlich wollen wir doch alle ein bisschen Glanz und Glamour mitbekommen, wenn wir den mit Grace Kellys Antlitz bedruckten Jutebeutel mit uns rumschleppen und in den neuesten Gossip-Magazinen nach den hippen Schuhen von Sienna Miller Ausschau halten, um sie im Discounter nachkaufen zu können. Es scheint immer eine Symbiose aus Zeit, Stimmung und Mädchen zu sein, die letztendlich die Modeikone hervorbringt. Wie kleine Gottheiten werden Twiggy und Co dann zu jeder Gelegenheit imitiert und abgebildet. Egal wie sie also entstanden sind und wem sie ihren Titel zu verdanken haben - hierfür kann wohl keine allgemein gültige Erklärung gefunden werden - symbolisieren Stilikonen den subjektiv empfundenen Idealzustand einer Frau. Somit gibt es sie, ob gerechtfertigt oder nicht, die Stilikonen von gestern und heute. Und wenn man die Modediktatur eines Tages einmal satt haben sollte, kann man sich ja dann immer noch überlegen, ob man nicht mal sein eigenes Konterfei als Maskottchen auf Schminkspiegelchen und It-Bags rumtragen möchte - wer weiß, vielleicht verbirgt sich hinter einem von uns ja noch die Stilikone von morgen?!
Text und Illustrationen: Caroline Cozzella
Ausgabe Juli 2010

