Text: Sabine Kelle

Scherer González - Fashion Week Berlin
Foto: Michael Wittig
Viele
Leute sind von Kindheit an in Sachen Brille etwas traumatisiert. Mal
ehrlich, die Modelle damals waren meist nicht wirklich ein Hingucker.
Aber was heutzutage in Sachen Nasenfahrrad-Mode am Markt ist,
braucht sich in keinem Etui mehr zu verstecken.
Rahmenhandlung

Foto: Brillenkammer
In der Brillenkammer von Katharina Pech wird größten Wert auf ausgefallene Modelle und Top-Qualität gelegt. Wer hier mit Rezept ausgestattet den liebevoll eingerichteten Laden betritt, kommt garantiert nicht mit einem langweiligen Kassenmodell heraus. Auf außergewöhnlichen Ausstellern, welche mit alten Tür- und Fensterrahmen eingefasst sind, finden sich ausschließlich spannende und farbenfrohe Modelle. Von schmal, grün metallic, über groß, rund und knallrot bis absolut rahmenlos und federleicht ist hier für jeden Geschmack das Richtige dabei. Ein Trend allerdings fällt förmlich ins Auge: die Formen gehen definitiv in Richtung Retro. Zu größeren und damit auffälligeren Rahmen, so Frau Pech.

Brillen des Mode-Labels Blutsgeschwister
Foto: Brillenkammer
Dass sie ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Modelle hat, bestätigt unter anderem ihr wachsender Kundenkreis. Aber auch Anfragen von Filmproduktionen für die Ausstattung der Requisite sind inzwischen keine Seltenheit. Nicht unpraktisch ist die an das Geschäft angeschlossene Werkstatt, dort können jegliche Notfälle schnell behoben werden. Und damit auch unsere Kleinen nicht unter denselben schlechten Erlebnissen wie wir selbst leiden, hält die Optikermeisterin selbstverständlich auch für sie einige ausgesuchte Modelle bereit.
Ein besonders modemäßiges
Highlight gibt es in der Brillenkammer auch: die super stylischen
Brillen des Mode-Labels Blutsgeschwister, die damit ihr Sortiment um
ein tolles Fashion-Objekt erweitert haben. Der Clou bei den sechs
verschiedenen Modellen: die Gläser sind in variierbaren
Farbkombinationen erhältlich.
Made in Berlin

Foto: Whiteout & Glare
Wenn
es um Brillen geht, darf man aber vor allem die Macher nicht
vergessen, und die bietet eine kreative modeorientierte Metropole
wie Berlin selbstverständlich auch.
Da
wären zum Beispiel die Herren Seifert, Bischoff und Hofmann von Whiteout
& Glare. Die Profis der Berliner Brillenmanufaktur stehen neben
einem tollen Design vor allem für innovative Techniken und
Materialien. Wenn man ein wenig mehr über die Entstehung von
kultigem Brillendesign erfahren möchte, kein Problem, die drei lassen sich auch gerne mal ein wenig bei der Arbeit auf die Finger
schauen. In ihren gemütlichen Räumen in der Chausseestraße werden
die Ideen zu den aufwendigen Kollektionen in die Tat umgesetzt.
Dabei ergänzen sie sich wunderbar, denn Thomas Bischoff ist von Haus aus Maschinenbauer, Fabian Hofmann Ingenieur und Designer und Danny Seifert kümmert sich geschäftsführend um alles Organisatorische. Die Kombination der drei gibt den fruchtbaren Nährboden für ihre außergewöhnlichen Ideen und Herangehensweisen. Ihre Kreationen aus Keramik und Titan sind Richtungweisend für das gesamte Geschäft. So sind ausgeklügelte Gelenke, welche ganz ohne Schraube auskommen, ihre Spezialität - und die ist natürlich patentiert. Die Maschinen haben die drei eigens entworfen und in Zusammenarbeit mit namhaften Firmen entwickelt. Dafür fahren sie auch gerne zu diversen Herstellern, tüfteln mit ihnen herum, um dann zuvor scheinbar Unmögliches möglich zu machen.

Foto: Whiteout & Glare
Brillen
mit so viel Hightech ausgestattet erwartet man im Endeffekt nicht
wirklich stylisch. Aber auch das schaffen sie mit links. Jede der
Kollektionen orientiert sich an einem Thema, welches sich wie ein
roter Faden durch die gesamte Palette zieht. Sogar ihre Messestände
werden passend zum Thema von den beiden selbst entworfen. Und sie wären
keine Ingenieure, wenn sie diese nicht auch von Hand bauen würden.
Dabei
entstehen kleine Erlebniswelten, zum Beispiel ein riesiger
begehbarer Titan-Kristall, dessen Struktur das Auge irritiert, so
dass man nicht weiß, was sich nach außen oder innen wölbt. Solche
aufwendigen Bauten waren den Jurys diverser Designpreise, wie dem IF
Communication Design Award, schon einige Auszeichnungen wert. Hut ab
und Brille auf, kann man da nur sagen.
Mit
offenen Augen

Foto: ic! Berlin
Sozusagen Urgestein, wenn es um Berliner Brillen geht, ist ic! Berlin. Typisch berlinerisch gingen die Macher einen relativ ungewöhnlichen Weg, um ihre Modelle auf bedürftige Nasen zu bringen und hatten dabei von Beginn an prominente Unterstützer. Paten und sogar Gesellschafter sind unter anderem Corinna Harfouch und Peter Lohmeyer. Die Leinwandgrößen brauchten allerdings keine Sehhilfe, um zu erkennen, welches Potential in ic! Berlin steckte. Anfangs konnten sich die Gründer Ralph Anderl, Harald Gottschling und Philipp Haffmans nicht einmal einen Messestand leisten. Doch das war für die Innovatoren kein Problem: sie verkauften ihre Modelle Straßenhändler-like einfach aus dem Mantel heraus. Das brachte ihnen zwar großen Ärger mit den Messeveranstaltern, aber auch Asyl auf dem Sofa des begeisterten Brillen-Königs Robert la Roche, wo sie fortan ihre Brillen präsentierten. Unverkennbares Markenzeichen sind die federleichten Metallbrillen aus flexiblem Federstahl, welche mittels eines patentierten Federscharnier-Steck-Systems einwandfrei halten. Das Top-Design nicht zu vergessen.

Foto: ic! berlin
Seit 2003 beschreitet Ralph
Anderl mit ic! Berlin noch immer gern ungewöhnliche Wege und will
sich damit nicht nur auf Brillen beschränken. So brachte er unter
anderem den Reiseführer „Übersehene Sehenswürdigkeiten.
Deutsche Orte.“ und das Hörbuch: „Corinna Harfouch spricht
Martin Auer“ auf den Markt.
Die
Macher hinter ic! Berlin wollen, wie ihre namengebende Heimat, nicht
stehen bleiben, immer Neues entdecken und ausprobieren. Jüngstes
Kind von ic! Berlin ist die Très Chic!-Kollektion, die, man höre
gut hin, nur von den weiblichen Mitarbeiterinnen von ic! Berlin und
praktischerweise so auch ausschließlich für Frauen designt wurde.
Frauen wissen schließlich am besten, was Frauen wollen, und das ist
ein wenig luxuriöser Glamour gepaart mit alltagstauglicher
Funktionalität. Entstanden sind große, sanft geschwungene Formen
mit tief sitzenden filigranen Bügeln, die einmal wieder den 60er
und 70er Jahre Retro-Trend glasklar widerspiegeln.
Profis
sagen ic! Berlin nach, dass sie keine Ahnung von Brillen gehabt
haben können, um so offen an deren Entwicklung heranzugehen. Aber
mal ehrlich, so viel Zufall gibt es dann doch nicht und Kunst kommt
ja schließlich von Können.
Stylische
Rahmenbedingungen

Brillengalerie
Foto: © modekultur.info
Ein
weiterer sehr stylischer Ort in Sachen Durchsicht ist die
Brillengalerie in Berlin Mitte. In der ultramodernen
Axel-Springer-Passage hat Roman Dimant 2004 den perfekten Ort für
sein Geschäft gefunden. Nicht nur, weil der minimalistische Stil des
Baus perfekt zu dem sehr klaren der Brillengalerie passt und so das
im Vordergrund steht, worum es hier geht. Sondern auch, weil er
umgeben von diversen Zeitschriftenverlagen ein bedürftiges Publikum
sozusagen im Hause hat. Bildschirmgeplagte Redakteure mit
Brillenproblem schauen bei Dimant auch mal gerne in der
Mittagspause vorbei, und dieses wird dann flux behoben. Klar muss das
dann schnell gehen, aber das ist kein Problem.
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Roman Dimant hat seine Werkstatt vor Ort und so werden jegliche Brillen-Probleme innerhalb von Minuten professionell behoben. Das wissen natürliche nicht nur fleißige Journalisten zu schätzen. Wer es eilig hat, kann sich die Wartezeit mit dem Betrachten der feinen Auswahl an Modellen und der witzigen Rauminstallationen, wie den Gipsabdrücken kultiger Sneaker, verkürzen. Oder man geht einfach in eines der chicen Cafés oder Bars in der Passage. |
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Wer etwas mehr Zeit
mitbringt, kann sich in der Brillengalerie sogar individuelle
Modelle anfertigen lassen. Das Angebot von Dimant ist
umfangreich: Gläser werden in Form geschliffen, Gestelle angepasst
oder eben extra angefertigt. Rahmentechnisch umfasst sein Angebot
ausgesuchte federleichte und oft schraubenlose Marken wie Flair,
Lindberg und Mykita, übrigens auch ein Berliner Label. Wer einfach
keine Brillen mag, oder einen witzigen Partygag braucht, ist hier
auch gut beraten. Die Brillengalerie bietet neben normalen
korrigierenden Kontaktlinsen auch diverse ausgefallene farbige
Linsen an.
Augenschmaus
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Foto: Freudenhaus
Nach so vielen modischen und vor allem technisch perfekten Brillen sollte man normalerweise ein passendes Modell gefunden haben. Ist das noch immer nicht der Fall, bleibt nur eins: OPTICON, das Geschäft von Andreas Kutschke. Der Berliner Spezialist für exklusive Brillen bedient seine Kunden nun schon seit 1993 in der Charlottenburger Mommsenstraße. Hier kann man ganz entspannt und unter fachkundiger Beratung aus einer erlesenen Auswahl bekannter Marken wie Retro Specs, Hoffmann Naturhorn, Cutler & Gross und Kilsgaard Eyewear, allesamt Inbegriff bester Qualität, sein passendes Modell heraussuchen. Das Konzept ging auf, und so eröffnete der Optikermeister im Laufe der Jahre weitere Geschäfte in Berlin, Hamburg und sogar eine Präsenz auf Sylt. Gleich um die Ecke auf dem Kurfürstendamm kann man die Luxus-Modelle großer Modemarken, wie Chrome Hearts, Cartier, Bvlgari, Dolce & Gabbana und Tag Heuer erstehen.
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Foto: OPTICON Kurfürstendamm
Wer auf seinem Kurztrip nach Berlin die Sonnenbrille
vergessen hat, ist hier auch bestens aufgehoben, denn davon gibt es vor
Ort bald mehr als Korrektionsbrillen. Im Geschäft in der
Oranienburger Straße wird es entsprechend dem jungen Publikum etwas
flippiger. Hier findet man Modelle der Kult-Brands Oliver Peoples,
Mosley Tribes, Mykita, Framers und John Varvatos. Auf der
Shoppingtour rund um den Hackeschen Markt und den schönen Heckmannhöfen
sollte man hier unbedingt vorbeischauen und sich ein nebenbei ganz
zweckmäßiges Mode-Accessoire zulegen. Seit 2007 werden auch
endlich die Hamburger mit den exklusiven Brillen von OPTICON
versorgt. Allerdings nicht nur Leuten mit Sehschwäche sei der
Besuch ans Herz gelegt. Das Geschäft im Hamburger ABC-Viertel kann
sich neben dem erlesenen Angebot auch, oder vor allem, wegen seines
durchdesignten Innenausbaus sehen lassen. Umgeben von sanfter
Helligkeit und frischem ornamentalen Design vergisst man hier
schnell die Zeit und probiert sich vollkommen entspannt durch die
unsagbare Anzahl von 2.000 Modellen. Das Ganze ist das Werk des
international renommierten Architekturbüros Graft und war der Juri
des Grand SADI (Superior Achievement in Design and Imaging) Awards
sogar einen Preis wert.
Modische
Hingucker
Damit
wäre auf jeden Fall bewiesen, dass Brillen eindeutig zum
unabdingbaren Mode-Accessoire geworden sind. Die Entscheidung fällt
allerdings oft, verständlicherweise, recht schwer. Aber statt
einer tollen Kroko-Handtasche oder einer schmerzvollen Beauty-OP,
kann man sich ja dann einfach in der nächsten Saison eine Brille im
Reptil-Look leisten. Kommt garantiert aufs Gleiche hinaus und ist
sogar politisch korrekt.
Fotos: PR Anbieter
|
Brillenmode in Berlin: |
Adressen:
- Brillengalerie
Rudi-Dutschke-Str. 8
in der Axel-Springer-Passage
10969 Berlin-Kreuzberg
Fon: (030) 85727774
www.brillen-galerie.com
- Brillenkammer
Grünberger Str. 58
10245 Berlin-Friedrichshain
Fon: (030) 27589849
www.brillen-kammer.de
- ic! Berlin
Max-Beer-Str. 17
10119 Berlin-Mitte
www.ic-berlin.de
- OPTICON
Mommsenstr. 73, Charlottenburg
Kurfürstendamm 210, Charlottenburg
Oranienburger Str. 5, Mitte
www.opticon-berlin.de
- Whiteout & Glare
Atelier für Brillendesign
Chausseestr. 105
10115 Berlin-Mitte
Fon: (030) 36446151
www.whiteout-glare.com
- weitere Adressen zum Thema Brillenmode in Berlin
>>zum Online-Fashionguide
Buchtipp:
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Ausgabe Februar 2009







