Gala und Verleihung:
createurope: The Fashion Design Award

Outfit: Camilla Lastrina (Dänemark)
Kreativität um jeden Preis
Am 23. Oktober 2009 fand in Berlin die Verleihung des Fashion Design Awards von createurope statt. Nach 2008 zum zweiten und vielleicht letzten Mal, denn Quelle als Hauptsponsor fällt weg. Aber wer weiß, wen das Goethe-Institut als Initiator des Mode-Wettbewerbs für eine Fotzsetzung begeistern kann. Karstadt fällt weg (das Thema ist seit dem Karstadt New Generation Award zur Berliner Fashion Week durch). Außerdem ist auch hier nicht klar, ob es das Unternehmen nach November noch geben wird. Peek & Cloppenburg engagiert sich beim Wettbewerb "Designer for Tomorrow", sozusagen dem Nachfolger des Karstadt-Awards. Wie wäre es dann mit C&A - oder der Galeria Kaufhof?
Wie auch immer es weiter gehen wird: momentan kann man nur spekulieren. Also wechseln wir von der spekulativen Ebene zum rationalen Tagesgeschäft: mehr als 1000 Jungedesigner aus 50 Ländern haben sich mit ihren Kollektionsmappen beworben. 29 von ihnen konnten die Fachjury (unter dem Vorsitz von Joop!-Kreativdirektor Dirk Schönberger) überzeugen und präsentieren ihre Kollektionsstücke vor vollem Haus in den Berliner Uferhallen im Bezirk Wedding.
Eine Auswahl der gezeigten Outfits
>>zur Slide Show in
hochauflösenden Bildern
(>>zu den Designern)
Material und Schnittführung konnten bei den insgesamt 180
gezeigten Outfits sicher überzeugen, aber nicht selten hatte man den
Eindruck, dass es den Jungdesignern eher darum ging, um jeden Preis
aufzufallen, statt Akzente für die Zukunft zu setzen. Dezente und
durchaus raffinierte Details gingen in der Anhäufung wilder modischer
Spielereien leider oft unter - und irgendwie hatte man das Gefühl,
alles schon mal gesehen zu haben. Teilweise fühlte man sich
zurückversetzt in die 80er Jahre des letzten Jahrtausends - und mit
den Kreationen der Designerin Hwa Kim aus Südkorea, die an die
Teletubbies (manche mögen ja selbst die) erinnern, kann man zumindest
den europäischen Markt nicht beeindrucken.
Ganz abgesehen davon nervte die experimentelle Musik, zu der die
Models laufen mussten. Die macht nicht unbedingt Spaß!
Aber natürlich gab es auch Highlights: die Entwürfe von Amine Bendriouich
aus Marokko gefielen Publikum und Jury gleichermaßen, so dass der
Designer, der an der internationalen Modeschule ESMOD in Tunis
studierte, folgerichtig den Audience Award gewann.
Bendriouch überzeugte mit einer Mischung aus Tradition und Moderne.
Seine Mode wirkt ganz und gar nicht aufgesetzt. Hier hatte man endlich
das Gefühl, dass der Designer ganz bei sich ist, ohne die Welt da
draußen zu ignorieren. Bei seinen Entwürfen kann man sich durchaus
vorstellen, das eine oder andere Outfit einmal auf der Straße wieder
zu sehen.
Sicher soll ein Fashion Award auch eine Art Spielwiese sein, auf der sich die Jungdesigner austoben und ausprobieren sollen. Wenn man jedoch Mode für die Straße entwerfen will, sollte man sich von Anfang an nicht zu sehr von der Realität entfernen - oder eher ins ganz und gar künstlerische Fach wechseln. Kreativ zu sein ist gut - aber nicht um jeden Preis!
Folgende Preise wurden verliehen:
- AUDIENCE AWARD (ermittelt durch Online Voting)
gewonnen hat Amine Bendriouich (Marokko)
- BEST STUDENT AWARD
gewonnen hat Christine Krüger (Deutschland)
- BEST AVANTGARDE AWARD
gewonnen hat Lisa Shahno (Russland)
- BEST UPCOMING DESIGNER AWARD
gewonnen hat Antonia Funmi Bello (Deutschland)

Die Gewinner (v. l. n. r.)
Antonia Funmi Bello, Christine Krüger,
Lisa Shahno und Amine Bendriouich
Text: Jörg Buntenbach
Fotos: Michael Wittig
Hinweis zur Slide Show:
Die Fotos zeigen die Outfits der folgenden Designer:
>>Slide Show in
hochauflösenden Bildern
1 und 2: Tamaki Fujie
3 und 4: Laura Theiss
5 und 6: Christine Krüger
7: Amine Bendriouich
8 und 9: Baris Tatar
10: Kim Berit Heppelmann
11: Tobias Noe Harboe
12: Sofia Hussein
13 und 14: Maria Bousseva
15: Camilla Lastrina
16: Maitane Galarraga Lund
17, 18 und 19: Natalia Perez Martinez
20: Tutia Schaad
21: Sonja Kreuzberg
22: Shruti Modi
23: Poola Kardum
24: Ewa Kim
25: Lena Hasibether
26: Kiki Yan Cao
27 und 28: Katrin Switala
29 und 30:
Lisa Shahno
Linktipp:
Ausgabe Oktober 2009

