Green Fashion und Fair Trade:
ein Trend setzt sich durch

Foto: jovoo
Leider scheint in Zeiten der Krise das Interesse der Menschen für den Klimaschutz zu schwinden, da sie von der Hauptsorge um ihren Arbeitsplatz getrieben werden. Und auch in der Politik verliert man das Thema, das so wichtig ist für uns und vor allem für die uns nachfolgenden Generationen, offensichtlich aus den Augen. Statt mutig die Chancen der gesellschaftlichen Veränderung zu ergreifen und den Klimaschutz voranzutreiben, der vor allem auch neue Berufsbilder und damit Arbeitsplätze hervorbringen wird, hangelt man sich ängstlich von Wahl zu Wahl, gibt irrsinnige Subventionsgelder für unzeitgemäße Industrien aus und betreibt dabei oft nichts weiter, als Besitzstandswahrung. Viele "schlauen" Köpfe sehen unser Zukunftsheil ausschließlich im bedingungslosen Wirtschaftswachstum. Doch statt die Lösung der Probleme auf eine so einfache Formel zu reduzieren, sollte man darüber nachdenken, wo Wachstum nötig ist - und wo wir darauf verzichten können, ohne auf einen gewissen Lebenskomfort verzichten zu müssen. Viele Jobs in unserer heutigen Gesellschaft sind oft nur noch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und aus produktiver und gesellschaftlich-sozialer Sicht nicht mehr "systemrelevant", also verzichtbar.
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Und doch gibt es immer mehr Menschen, die sich über die Begrifflichkeit LOHAS identifizieren („Lifestyle of Health and Sustainability“). Diese versuchen bewusst, einen "Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit" zu führen, der in eine Nachfrage von wirtschaftlich, gesundheitlich und ökologisch sinnvollen Produkten und Dienstleistungen münden soll. Und hier spielen "Green Fashion" und "Fair Trade" mit einem hohen modischen und ästhetischen Anspruch entscheidende Rollen. Doch Biomode ist nicht gleich Biomode. Hier gibt es ebenso große Unterschiede, wie im Lebensmittelbereich. Denn wo Geld verdient werden kann, wird oft auch Etikettenschwindel betrieben. |
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In der Textilbranche gibt es verschiedene Textilsiegel, die sehr
unterschiedliche Kriterien zu Grunde legen. Doch was sagt ein Gütesiegel
im Detail aus? Welche Meßlatte wurde angelegt? Wurden neben den
Produkten auch die Produktionsbedingungen und die Verdienstmöglichkeiten
am Produktionsstandort überprüft (Stichwort Fair Trade)? Wurde aus
einer Produktion lediglich ein Stoffballen untersucht und der Rest
gleich mit zertifiziert? Finden regelmäßige Kontrollen statt? Und
nicht zuletzt: wurden problematische Farbstoffe verwendet, die
Allergien auslösen können oder unser Grundwasser verseuchen?
Kurz: die Kriterien zur Vergabe eines Siegels sind sehr
uneinheitlich. Ein Siegel allein rechtfertigt noch lange kein
100prozentiges Vertrauen. Fakt ist, dass mit Begriffen wie
"Bio", "Öko", "Schadstoffgeprüft"
oder "Naturwaren" viel Geld verdient werden kann. Und da
sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Hersteller und
Anbieter immer das Interesse der Verbraucher im Auge haben, sondern
in erster Linie die Umsatzzahlen ihres Unternehmens. Wer ganz sicher
gehen will, sollte sich einen Hersteller und seine Philosophie genau
ansehen.
Das Kölner social fashion label armedangels hat sich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur "saubere", sondern auch schöne Mode zu produzieren.
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Und das mit einer sehr nachhaltigen Philosophie, denn es geht den Modemachern nicht nur darum, Bio-Baumwolle zu verwenden, sondern auch um "Fair Trade", also darum, dass die Baumwolle zu fairen Produktions- und Abnahmebedingungen angebaut, hergestellt und verarbeitet wird. Und zwar ohne Pestizide und Chemikalien.
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Mit einem
Euro pro verkauftem Kollektionsteil unterstützt armedangels
außerdem verschiedene Hilfsprojekte und gibt damit einen Teil dahin zurück, wo die Produkte herkommen:
"Wir glauben an Nachhaltigkeit und Fairness als oberstes
Prinzip“, sagen die armedangels-Gründer Anton Jurina und Martin Höfeler.
Ihre Philosophie in der Zusammenfassung: 100 Prozent Organic, 100
Prozent Fairtrade, 0 Prozent Kinderarbeit. Beispielhaft!
Zu den Stars der Szene gehört sicher auch das Berliner Green Fashion-Label slowmo. Auch hier sind bei jedem Kollektionsteil die soziale und ökologische Verantwortung die wichtigsten Faktoren.
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Die Herstellung erfolgt nach Aussage der Modemacher in allen Stufen des Prozesses nach strengen Kriterien, die dem Schutz der Natur, der Angestellten und der Endverbraucher dienen. |
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Die verwendeten Materialien stammen ausschließlich aus
zertifiziertem und kontrolliert biologischem Anbau, sind qualitativ
hochwertig und werden fair gehandelt. Die
verwendeten Farben sind toxikologisch unbedenklich und enthalten
weder Schwermetalle, noch krebserregende oder allergisierende
Zusatzstoffe. Die Kollektionen für Damen und Männer werden zwei mal im Jahr vorgestellt (Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter). Darüber
hinaus gibt es außerhalb der Saison limitierte Sonderauflagen und künstlerische
Einzelteile.

*Magdalena Schaffrin
Foto: © modekultur.info
Einen Namen gemacht hat sich auch Magdalena Schaffrin, die
neben ihrem gleichnamigen Modelabel auch als Organisatorin des
GREENshowroom von sich reden macht, der im Juli 2009 erstmals zur
Berliner Fashion Week in 6 Deluxe-Zimmern des Hotel Adlon
stattfindet. Da liegt es nahe, dass sie ihre Kreationen als Öko-Luxus
made in Germany bezeichnet. Schaffrins Entwürfe sind klassisch,
feminin, stylish und extravagant im Detail. Sie verwendet natürliche
Materialien wie Feinhanf, Ökoseidenjersey oder Leinenjersey und
setzt hohe Qualitätsmaßstäbe in Design, Material und in die
Verarbeitung der Kleidung. Dabei arbeitet sie konsequent ökologisch.
Das heißt, auch sie verwendet keine schädigenden Farbstoffe und
Ausrüstungen.
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2007 schloss Johanna Balzer ihr Modedesignstudium ab und gründete das Label jovoo. Die designerin will "Mode zum Gebrauchen" entwerfen. Ihr Credo: Funktion plus Design plus Styles altmodischer Outdoor-, Militär- und Streetwearbekleidung. |
Dabei legt auch sie großen Wert auf fair und regional produzierte,
funktional - tragbare Premiumstreetwear, die aus biologisch
angebauten Naturtextilien oder aber aus ökologischen
Hightechtextilien hergestellt wird. Johanna Balzer bietet neben jovoo
DE LUXEe einfache und unkompliziert tragbare Basics und
limitierte Serien aus recyceltem Verschnitt an.
Ein grünes Anliegen hat auch Andrea Imgenberg, die den Online-Store bgreen betreibt: "Nach vielen Jahren als Modedesignerin in der konventionellen Modebranche konnte ich die Zustände, die dort herrschen, nicht mehr mit meinen Vorstellungen vereinbaren. Die Produktion von Bekleidung verursacht weltweit Menschenrechtsverstöße und große ökologische Schäden.
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Mode entwerfen sollte nicht bedeuten, dass andere Menschen und die
Natur darunter leiden müssen." |
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Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Eco-Labels, die
die Modeszene in den letzten Jahren bereichert haben und der
scheinbaren Oberflächlichkeit der Modeszene etwas entgegensetzen.
Das zeigt aktuell auch die Berliner Fashion Week, bei der das Thema
"Green Fashion" stark vertreten ist: im Hotel Adlon wird
der bereits erwähnte GREENshowroom präsentiert, während mit thekey.to
erstmals eine Messe für grüne Mode und Lifestyle im Kaiserlichen
Postamt in Berlin-Neukölln stattfindet. Auf der Modemesse Premium
gibt es wieder eine "Green Area", es werden Symposien zum
Thema abgehalten - und vom 1. Juli bis zum 30. August 2009 wird der
Green Fashion Concept Store GLORE sein Lager im Belleville Store in
der Rosa -Luxemburg-Strasse 27 in 10178 Berlin-Mitte aufschlagen. Im
Gepäck sind Labels wie Kuyichi, Veja, Knowledge Cotoon, sowie eine
Auswahl an "sauberen" Produkten .

*Magdalena Schaffrin
Foto: © modekultur.info
Green Fashion und Fair Trade setzen sich mehr und mehr durch, weil Menschen den Sinn darin erkannt haben. Trotzdem muss weiterhin immer wieder an die Vernunft appelliert werden, das Leben in allen Bereichen näher an der Natur auszurichten. Damit ist gemeint, die Chancen der modernen Technologien zu nutzen und sinnvolle Umwelt- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Viele neuen Arbeitsplätze werden in den Bereichen dieser modernen und zugleich ökologisch vertretbaren Technologien zu finden sein. Dazu ist nichts weiter nötig, als der Mut zur Veränderung. Rückwärtsgewandtes Denken muss der Vergangenheit angehören. Atomenergie, Klima-Killer wie Kohlekraftwerke, schadstoffproduzierende, veraltete Technologien und eine den Bedarf übersteigende Produktion aus Gründen der ausschließlichen Gewinnmaximierung dürfen in unserer Bildungsgesellschaft keinen Raum finden. Nicht wirtschaftliches Wachstum ist das Maß aller Dinge, sondern der bewusste Umgang mit der Umwelt, von der wir immerhin ein Teil sind. Und da ist jeder von uns gefordert!
Text: Jörg Buntenbach
Linktipps zum Thema:
- >>Guide: Green Fashion in Berlin
- >>Bericht: armedangels, das social fashion label aus Köln
- >>die Textil-Fibel 3 vom Greenpeace Magazin
- >>Green Fashion-Store von modekultur.info
- >>Textilsiegel: eine Übersicht
- >>Homepage Label armedangels
- >>Homepage Label slowmo
- >>Homepage Label *Magdelana Schaffrin
- >>Homepage Label jovoo
- >>Homepage bgreen
- >>www.sockexpressive.com (nachhaltige T-Shirt-Unikate mit dem Aufruf zu mehr Zivilcourage)
- www.lohas.de
Buchtipp:
Ausgabe Juli 2009









