Deutschlands Modemetropole

Fashion Week Berlin, Backstage
Show von Guido Maria Kretschmer
Foto: Michael Wittig
Berlin zieht an! - Obwohl das wie eine leere Werbefloskel klingt, drückt diese Aussage doch sehr viel aus, denn die deutsche Hauptstadt steht hoch im Kurs. Sei es bei Touristen, die der Stadt Jahr für Jahr neue Besucherrekorde bescheren - oder bei Menschen, die an die Spree kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Im wissenschaftlichen Bereich, im Dienstleistungsektor oder in den Kreativbranchen.
Aber besonders die Modebranche strahlt eine starke Anziehungskraft aus. In den letzten Jahren hat sich die Berliner Modeszene entscheidend weiterentwickelt - und sie professionalisiert sich zusehends. Vorbei scheint die Zeit, in der es ausreichte, ein paar T-Shirts mit hippen Motiven und mehr oder minder originellen Sprüchen auf den Markt zu werfen. Die Berliner Schnoddrigkeit in der Mode, die in den 1990er Jahren noch ankam, wird verdrängt. Und das ist gut so! Berliner Designer wie Sisi Wasabi, Scherer González, Anett Röstel stehen für ihren eigenen unverwechselbaren Stil, für Qualität und Eleganz. Das haben Sie bei ihren Shows auf der Berliner Fashion Week bewiesen. Und Modelabels wie caro e. oder Magdalena Schaffrin bieten stylishe "Green Fashion" an und tragen dazu bei, dass das Thema "Fair Trade und Bio-Mode" in Berlin sehr wichtig genommen wird. Auch bei der Fachmesse Premium gibt es eine "Green Area" und auf Symposien wird immer wieder über das Thema diskutiert.

Fashion Week Berlin
Show von Scherer González
Foto: Michael Wittig
Diskutiert wird in der Branche seit Jahren auch darüber, ob
Berlin das Zeug zu einer wirklichen Mode-Metropole hat. Es gab immer
mal wieder mehr oder weniger gute Ideen und Ansätze, den
Mode-Standort nach vorne zu bringen. Viele Projekte verliefen im
Sande und verschwanden irgendwann von der Bildfläche, bis im Juli
2007 die erste Mercedes Benz Fashion Week in Berlin
stattfand.
Damals wurde dieser Versuch, Berlin als internationale Modemetropole
zu etablieren, von vielen belächelt. Und zu allem Überfluss zog
die wichtige Modemesse Bread & Butter von Berlin nach
Barcelona.
Doch die Organisatoren der Mercedes Benz Fashion Week und der Berliner Senat blieben hartnäckig
und standen weiterhin hinter diesem für Berlin richtungsweisenden
Fashion-Spektakel.
Im kommenden Juli findet nun die nächste Fashion Week statt. Noch größer
also - und wahrscheinlich noch glamouröser, denn
neben den großen Runway-Shows im Zelt am Bebelplatz in Berlin-Mitte und der Fachmesse Premium
am Gleisdreieck wird auch die Bread & Butter, nach
Ansicht vieler die Leitmesse für Urban- und Streetwear, wieder in
Berlin an prominentem Ort, dem Flughafen Tempelhof, vertreten sein.

Goldene Nase 2008
Fashion Show von Anett Röstel
Foto: © modekultur.info
Darüber hinaus wird es parallel zu den genannten Highlights weitere Modemessen und Veranstaltungen geben, die wir hier kurz vorstellen möchten.
Bereits angesprochen wurde die Mercedes Benz Fashion Week
Berlin, die vom 1. bis zum 4. Juli 2009 im Zelt am Bebelplatz
stattfinden wird. Hier zeigen nationale und internationale Designer
ihre Frühjahr-/Sommerkollektionen 2010. Zutritt zu den Fashion
Shows haben nur geladene Gäste und die akkreditierte Presse.
Vom 1. bis zum 3. Juli findet die Fachmesse Premium in der
Luckenwalder Strasse 4-6 am Gleisdreieck statt. Auch hier hat nur
das Fachpublikum und die Presse Zutritt.
Die Fachmesse Bread & Butter öffnet ihre Toren für
Fachbesucher vom 1. bis zum 3. Juli im Flughafen Tempelhof.
Neu in Berlin ist die 5.elements Berlin, eine Messe für
Dessous-, Bade-, Sport- und Wellnesswear, die im Palais am Funkturm
und in den historischen Messehallen Berlin stattfinden wird.
Um Green Fashion und Lifestyle geht es vom 1. bis zum 4. Juli bei thekey.to. Am letzten Tag
dieser Messe finden
auch Nicht-Akkreditierte Einlass. Die Location ist "Top
Secret" und wird erst etwa 14
Tage vor dem Event bekannt gegeben. Da soll Spannung aufgebaut
werden. Und hoffentlich wird die damit geschürte Erwartungshaltung
dann auch erfüllt!
Klein aber fein will sich die Boudoir, eine "Show for
Lingerie and Luxuries" vom 1. bis zum 2. Juli in den Delight
Studios in Berlin-Mitte präsentieren.
Die Spirit of Fashion, eine Messe für Underground-Fashion,
hat sich längst in Berlin etabliert und präsentiert sich vom 2.
bis zum 4. Juli im Meilenwerk Berlin in der Wiebestrasse 36-37 am
neuen Ort.
Und auch Wedding Dress4, das "Festival of Urban Fashion
and Lifestyle" wird es in der Weddinger Brunnenstrasse wieder geben.
Last but not least geht es dann noch einmal um Bio-Fashion:
GREENshowroom zeigt erstmals vom 1. bis zum 4. Juli 2009 in den Räumen
des Hotel Adlon eine exklusive Auswahl von Eco-Labels, die sich im
gehobenen mittleren Segment bis hin zur Luxus Kategorie
positionieren. Die 15-20 Labels werden in 6 Deluxe-Zimmern des
Berliner 5 Sterne Hauses präsentiert; ausgewählt nach strengen
Richtlinien in Bezug auf Ökologie und Fair Trade.
Und damit nicht genug. Darüber hinaus finden zeitgleich zur Berliner
Fashion Week wieder zahlreiche weitere Veranstaltungen wie die Showroommeile
(hier präsentieren sich zahlreiche Designer der Öffentlichkeit), Empfänge und
After
Show Partys statt. Spannend wird es sicher auch bei den Events der projektGALERIE
Showrooms: im Hof96 in Mitte sind die Designer-Showrooms von 1.
bis zum 3 Juli für Fachbesucher geöffnet. Hier zeigen 30 junge
internationale Brands und Jungdesigner ihre Frühjahr-/Sommerkollektionen
2010, während vom 30. Juni
bis zum 4. Juli die Designer Sales & Shopping Boutique in der
Appel Design Galerie in der Torstraße in Mitte seine Toren für
alle Modebegeisterten öffnet. Die "Come
Together" pGs Berlin Fashion Week Closing Party am 3. Juli
bildet da sicher den richtigen Abschluss (für diese Party werden
wir in Kürze 2 VIP-Tickets an unsere Leser verlosen!: >>mehr).

Schaufenster Nanna Kuckuck
Foto: © modekultur.info
Anfang Juli wird die Stadt sich also im Modefieber befinden. Und die Organisatoren, Designer und Aussteller fiebern mit, denn für sie ist es wichtig, dass zahlreiche Einkäufer in die Stadt kommen, die die neuen Kollektionen ordern, dass wichtige Kontakte geknüpft werden - und die Fashion Week Berlin damit einen festen Platz im internationalen Fashionkalender erhalten und festigen kann. Denn daran wird Berlin als Modestandort gemessen. Nicht zuletzt wird es aber auch darum gehen, ob die Berliner Modebranche auch das Tagesgeschäft nachhaltig gestalten kann und die Designer (von denen es mehrere Hundert gibt) und Fashionstores Kunden und Einkäufer langfristig von sich überzeugen können. Darüber hinaus muss auch an der Infrastruktur gearbeitet werden. Denn eine Branche lebt nicht nur von Kreativität, sondern auch vom Handwerk und von Dienstleistungen. Das heißt, die Berliner Politik darf nicht nur die Kreativen fördern, sondern muss auch Infrastukturmaßnahmen in Angriff nehmen. Neben den Designern, die die Mode entwerfen, benötigt die Stadt handwerklich gut ausgebildete Schneider, so genannte Zwischenmeistereien (hier lassen die Designer ihre Entwürfe produzieren) und nicht zuletzt einen breit aufgestellten Stoffhandel. Und wenn es der Branche gelingt, dies alles anbieten zu können, so wird Berlin sich zurecht als Mode-Metropole bezeichnen dürfen.
Text: Jörg Buntenbach
Auf einer Sonderseite werden wir von der Berliner Fashion Week
berichten: >>mehr
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Ausgabe Mai 2009







